Archiv für März, 2013

Von Kristian Stemmler

DSC_8003Im Buchholzer Einzelhandel tut sich einiges. So eröffnen im neuen Gebäude der Volksbank, dessen protziges Äußeres ich bereits kritisiert habe, demnächst diverse Geschäfte. Unter anderem zieht der Optiker „Brillen Chic‟ von der Neuen Straße an den Marktplatz. In die dann leerstehenden Räume wird das besondere Geschäft für Mode und Ausgefallens „Madness‟ auf der anderen Straßenseite ziehen. Die Eröffnung soll Anfang Mai, eventuell auch früher, sein, wie Geschäftsinhaber Rainer Lelewel dem buchholzblog mitteilte. In Vorbereitung auf den Umzug hat er bereits mit einem Räumungsverkauf begonnnen.

Wie berichtet, wird das Haus, in dem sich „Madness‟ jetzt befindet, abgerissen. An seiner Stelle wird ein mehrstöckiges Geschäftshaus gebaut. Das Gerücht, dass es sich um ein Ärztehaus handeln soll, wurde bisher nicht bestätigt. Dass das alte Backsteingebäude abgerissen wird, ist bedauerlich, da es sich um das mit Abstand schönste Haus an der Neuen Straße handelt, andererseits typisch für die bisherige Stadtentwicklungspolitik von Buchholz.

Eine weitere, noch gravierendere Veränderung betrifft das City Center. Wie das Nordheide Wochenblatt berichtete, wird der Discounter Lidl seine Filiale in dem Einkaufszentrum jetzt doch schließen, am 4. Mai soll der letzte Verkaufstag sein. Lidl, so das Wochenblatt, ziehe sich vor allem wegen des baulichen Zustands der Räumlichkeiten zurück. Der Fußboden sei kaputt, der Lastenfahrstuhl funktioniere nicht. Am Standort habe die Entscheidung nicht gelegen. Wenn ein Investor etwas Neues baue, werde man gern wieder dort einziehen.

Noch vor einigen Wochen hatte es Meldungen gegeben, dass Lidl sich aus dem City Center zurückziehen wolle. Der Discounter hatte damals noch, allerdings nicht besonders glaubwürdig, derartige Behauptungen dementiert.

Mit dem Auszug von Lidl verlässt nach Heymann ein weiterer Frequenzbringer das antiquierte Einkaufszentrum, dessen Niedergang sich damit wohl kaum noch aufhalten lässt. Centermanager Franz Jebavy wird im Wochenblatt zwar mit den Worten „Wir werden die leerstehenden Flächen wieder vermieten‟ zitiert, aber das ist wohl kaum mehr als ein Pfeifen im Keller. Er hoffe auf einen raschen Verkauf des City Centers. Sollte es wirklich dazu kommen, müsste wohl erst mal eine Stange Geld investiert werden, um das Center komplett umzukrempeln und baulich auf den neuesten Stand zu bringen.

Buchholz, die Möchtegern-Stadt

Veröffentlicht: 2013-03-16 in Analysen, Lokales, Politik

Von Kristian Stemmler

DSC_9195Mit dem Abbau des Baugerüstes am neuen Gebäude der Volksbank wird das ganze Ausmaß des Desasters offenbar. Architektonisch ist dieser Bau eine mindestens ebenso große Katastrophe wie die Buchholz Galerie auf der anderen Seite des Marktes und macht die Verschandelung des Marktplatzes komplett. Wie das Einkaufszentrum ist auch das neue Geschäftshaus vor allem steinerner Ausdruck eines Prinzips, das zunehmend das Zentrum von Buchholz prägt: das Prinzip Möchtegern! Buchholz wird zur Möchtegernstadt!

Am Volksbankgebäude lässt sich das ganz gut entfalten. Der Bau ist von einer gewissen Protzigkeit, wirkt in meinen Augen aber zugleich unbedarft und kleinkariert. Der Rundbau zum Marktplatz hin mit seinem vorspringenden Dach kommt großspurig daher, wirkt aber komplett deplatziert angesichts der mittelmäßigen und langweiligen Fassade und Kinkerlitzchen wie den albernen Säulen. Tut mir leid, aber das Alles sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt. Man macht auf Großstadt, ist aber tatsächlich nur bieder und provinziell.

Genau dasselbe lässt sich auch von der Buchholz Galerie sagen, allgemein auch als „der Bunker‟ bekannt. Auch hier möchte man mithalten, möchte mondän sein, großstädtisch, schielt offenbar auf Vorbilder wie das Phoenix Center. Doch das geht grandios in die Hose. Außen und innen. Der Baukörper ist klobig, die Fassade monoton und fantasielos, die weißen Betonwände der Parkdecks obendrauf verhunzen die Silhouette der Stadt nachhaltig (zum Beispiel, wenn man über die Canteleubrücke auf Buchholz zufährt).

Aber auch im Inneren des Gebäudes wird es nicht besser. Die Passage von der Breiten Straße zum Peets Hoff ist zwar relativ breit und hoch, aber man hat mit dem Raum nichts anzufangen gewusst. Das Ganze hat die Atmosphäre einer Bahnhofswartehalle. Die Farbe des Bodenbelags ist öde und abweisend, die wahllos verstreuten Sitzelemente sind nichts weniger als elegant. Hinten an der Rolltreppe steht ein einsames Ausstellungsauto von Köhnke, dann hat man zwei alberne Beete mit Frühlingsblumen installiert. Das Alles ist provinziell und trostlos, von Shopping Malls wie dem Alstereinkaufzentrum, dem EKZ Hamburger Straße oder auch dem Phoenix Center ist man meilenweit entfernt.

Mir scheint, die Architekten haben aus dem zur Verfügung stehenden Raum nicht das Optimum herausholen können. Das Einkaufszentrum wirkt insgesamt eher klein, ja gestaucht. Man kommt vorn rein, geht ein paar Schritte, fährt Rolltreppe und ist schon fertig. Wenn es die Absicht der Macher war, den Eindruck von Großzügigkeit zu erzeugen, so ist das grandios daneben gegangen.

Die Buchholz Galerie, das neue Volksbankgebäude und andere Bauten im Zentrum sind insgesamt Ausdruck einer traurigen Selbstüberschätzung. Man macht auf Großstadt, schielt nach Hamburg, will zeigen, dass man vorne mit dabei ist. Das Ergebnis ist aber nur peinlich und provinziell, und der Stadt wird dabei auch noch der letzte Charme ausgetrieben.

Buchholz sollte den Abstand zur Großstadt als Vorteil betrachten, sollte seinen eigenen Stil entwickeln, sollte intelligente, kleinteilige Lösungen entwickeln, sowohl in der Stadtentwicklung wie in der Lösung von Verkehrsproblemen. Aber dazu bedarf es wohl einer anderen Führung im Rathaus, einer Führung, deren Politik weniger von Wirtschaftshörigkeit und Großmannssucht geprägt ist.

„Deutschland hat als eines der reichsten EU-Länder mit Hartz IV die umfassendste soziale Stigmatisierung von Armen zustande gebracht.“

Barbara Dribbusch in der tageszeitung

Von Kristian Stemmler

Die Würfel sind gefallen: Mit einer knappen Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen stimmte der Ausschuss für Schule, Kinder, Jugend, Familie und Senioren gestern abend in der Rathauskantine dafür, dass die neue Sporthalle an der Mühlenschule in Holm-Seppensen vom Hamburger Architektenbüro Dohse gebaut wird, das als Sieger aus dem Hochbaulichen Gutachterverfahren hervorgegangen war (der blog berichtete). Man kann davon ausgehen, dass der Verwaltungsausschuss heute abend diesem Votum folgen wird.

Der Abstimmung war eine lange, heftige und emotionale Debatte vorausgegangen. Wie zu erwarten war, machten sich vor allem die Oppositionsparteien CDU und FDP für den im Gutachterverfahren unterlegenen Entwurf des Oldenburger Büros MRO stark. Auch Karin Iske, Vorsitzende des SV Holm-Seppensen, favorisierte MRO. So sei die Frage der Geräteräume in diesem Entwurf besser gelöst. „Der Entwurf hat all das erfüllt, was wir vom Verein uns gewünscht haben‟, so Iske. Die Schulleiterin der Mühlenschule, Beate Trützschler, sagte, der Entwurf von Dohse gefalle ihr „von außen‟ besser, innen habe MRO bessere Noten verdient. Für die Schule sei aber entscheidend, „dass es endlich los geht‟.

Erster Stadtrat und Schuldezernent Jan-Hendrik Röhse und Stadtbaurätin Doris Grondke machten sich für den Siegerentwurf stark. Grondke betonte, das Büro Dohse sei am besten auf die städtebauliche Situation vor Ort eingegangen, MRO habe sich darum wenig gekümmert. Das arbeitete auch Karsten Müller von der Buchholzer Liste heraus. MRO sei dafür bekannt, gut funktionierende, standardisierte Hallen zu liefern, nicht mehr und nicht weniger. Müller kritisierte, dass in der Diskussion um die Halle zwei Ebenen vermischt würden, die der fachlichen Argumente auf der einen und einer grundsätzlichen Kritik am Gutachterverfahren auf der anderen Seite.

Dass es für Doris Grondke nicht einfach würde, im provinziellen Buchholz ein solches neues Instrument einzuführen, war ja klar (siehe Beitrag „Wat de Bur nich kennt…‟). Auch ihr selbst war es klar, wie die Stadtbaurätin an einer Stelle der Diskussion durchblicken ließ. In Hamburg und Umlandgemeinden wie Wedel, Pinneberg und Ahrensburg seien Gutachterverfahren selbstverständlich betonte sie. Als sie das Gutachterverfahren hier einführte, sei ihr aber bewusst gewesen, „dass es kein einfacher Gang sein würde, Ihnen das zu erklären‟.

Von Kristian Stemmler

So schnell schießen die Preußen nicht. Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) hat offenbar gedacht, er könne die Erweiterung des Gewerbegebietes II Vaenser Heide um rund zehn Hektar im Hauruck-Verfahren durchziehen. Doch jetzt wächst der Widerstand und das hat sich Geiger wieder einmal durch seine Politik nach Gutsherrenart hauptsächlich selbst eingebrockt. Er hat offenbar übersehen, dass der Stadtrat kein Abnickgremium für seine Entscheidungen ist, sondern der Ort, an dem die politischen Weichen für Buchholz gestellt werden.

Im Nordheide Wochenblatt vom Mittwoch attackiert Gudrun Eschment-Reichert, für die SPD im Stadtrat und Ortsbürgermeisterin von Dibbersen, das Vorgehen des Bürgermeisters mit deutlichen Worten. Zu recht kritisiert sie, Geiger versuche die Erweiterung des GE II „im Schnellverfahren‟ durchzudrücken: „Innerhalb von nur vier Tagen sollen ehrenamtlich Tätige umfangreiche und schwerwiegende grundsätzliche Entscheidungen treffen.‟ Argumentiert werde dabei mit der Dringlichkeit, weil Betriebe Erweiterungswünsche angemeldet hätte, die durchaus nachvollziehbar seien.

Eschment-Reichert kritisiert auch, dass die Verwaltung verschweige, dass bei der Genehmigung des bestehenden GE II als Ausgleich für die Zerstörung von Landschaft die Freihaltung und Aufwertung der angrenzenden nördlichen Flächen beschlossen wurde. „Diese nun wiederum als Gewerbefläche auszuweisen, ohne die Ratsmitglieder über die Problematik zu informieren und auf die anhängigen Beschlüsse hinzuweisen, ist nicht akzeptabel‟, so die SPD-Politikerin, „bei solchen Verfahrensweisen brauchen wir keine Pläne mehr, sondern nur noch eine bürgermeisterliche Eingebung.‟

Die Ratsfrau fragt sich auch, warum viel Geld für ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) ausgegeben wird, in dem auch der Bedarf an Gewerbeflächen untersucht werden soll, wenn derartige Ausweisungen von Gewerbegebieten nicht gründlich abgewogen werden. Der Ortsrat Dibbersen habe durchaus Verständnis für Erweiterungswünsche ortsansässiger Betriebe. Aber, so schreibt es Eschment-Reichert dem Bürgermeister ins Stammbuch, Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit „ist eine transparente Informationspolitik, die jeden Ratsmitglied vom Bürgermeister erwarten sollte, bevor solche Entscheidungen anstehen‟.

Von Kristian Stemmler

Auch mehr als ein Jahr nach der Kommunalwahl fällt es CDU und FDP sowie der diesen Parteien zugeneigten „alten Garde‟ in der Verwaltung offenbar immer noch schwer zu akzeptieren, dass sie im Stadtrat nicht mehr das Sagen haben. Jede Entscheidung von Bedeutung, die nicht nach ihrem Gusto läuft, sorgt für helle Aufregung – natürlich auch die Entscheidung der Jury im Gutachterverfahren für die neue Turnhalle an der Mühlenschule Holm-Seppensen. Was zu erwarten war.

Leider schlägt sich das Nordheide Wochenblatt in seiner Sonnabendausgabe auf die Seite der Verweigerer. In einem Seitenaufmacher berichtet die Zeitung über die Entscheidung der Jury und macht ausgerechnet eine unhaltbare Behauptung von „Rumpelstilzchen‟ Reglitzky zur Zeile: „Ergebnis stand doch fest‟. In der Unterzeile wird dann noch die Jury-Entscheidung mit dem einseitigen Text „Jury folgte Empfehlung von Sachverständigen nicht‟ schlecht gemacht.

Wer aber sind diese „Sachverständige‟? Die Rede ist unter anderem von Rolf-Peter Kaufhold, Leiter Fachbereich 4, Stadtentwicklung, und Jürgen Steinhage, Leiter Fachbereich 5, Betriebe. Sie hatten sich wie auch FDP-Zampano Reglitzky für den Entwurf des Oldenburger Büros MRO ausgesprochen, die Jury entschied sich aber mit acht zu drei Stimmen für den Entwurf des Hamburger Architektenbüros Dohse. Ich will den Vertretern der Verwaltung nicht absprechen, dass sie aus sachlichen Gründen den Entwurf von MRO bevorzugen – aber man kann wohl davon ausgehen, dass es für sie auch eine gute Gelegenheit war, sich gegen die neue Stadtbaurätin Doris Grondke zu positionieren.

Schon bei der Nominierung und Wahl von Grondke war absehbar, dass es hier zu dem klassischen Konflikt kommt, wie man ihn in Verwaltungen und Firmen immer wieder erlebt: Da sitzen Abteilungsleiter, die seit Jahren oder Jahrzehnten einen Bereich verantworten und wissen, wie der Hase läuft. Und dann kommt jemand von außen und bringt ganz neue Ideen und Verfahren mit. Auf dieses Problem habe ich ja vor kurzem in einem anderen Beitrag unter der Überschrift „Wat de Bur nich kennt…‟ hingewiesen.

Die Unterzeile des Beitrags im Wochenblatt ist vor allem auch deshalb schief, weil Grondke und die beiden der Jury angehörenden Architekten Günter Wilkens und Prof. Kay Marlow ja wohl auch Sachverständige sind. Und die haben ja offenbar für den Entwurf von Dohse votiert (ich war auf der fraglichen Jurysitzung wegen einer Erkrankung leider nicht zugegen).

Für unscharf, wenn nicht polemisch halte ich auch die Aussage des Wochenblattes, dass die Praktiker vor allem die Funktionalität der Halle im Blick hatten und die Befürworter des Dohse-Entwurfs vor allem die Architektur des Gebäudes. Ich denke, dass die Jury alle Kriterien bedacht und abgewogen hat. Tatsache ist auch, dass der MRO-Entwurf durchaus auch funktionale Schwächen hat, vor allem aber ist es eine Halle von der Stange mit einer atmosphärisch kalten Ausstrahlung.

Jetzt muss der Verwaltungsausschuss die endgültige Entscheidung treffen, wer die neue Turnhalle baut. Es ist zu hoffen, dass der Entscheidung der Jury gefolgt wird, damit die medial unterstützte Buchholzer Betonfraktion nicht wieder die Oberhand behält. Arno Reglitky hat übrigens im Wochenblatt angekündigt, so etwas werde er nicht noch mal mit sich machen lassen. Das darf man doch hoffentlich so verstehen, dass er beim nächsten derartigen Verfahren nicht mehr dabei ist…

 

Kristian Stemmler

Auch das noch! Jetzt sind die Lateinamerikatänzer des TSV Buchholz 08, genauer: das A-Team, auch noch in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Da müssen wir uns jetzt wohl auf ständige Jubelberichterstattung in den lokalen Blättern einstellen. Ich will hier niemandem seine Begeisterung für diesen Sport absprechen, und natürlich ist es durchaus sinnvoll, sich als Aktiver oder als Fan für eine Sportart zu engagieren – aber es muss auch möglich sein, Kritik zu äußern, vor allem wenn sie so auf der Hand liegt.

Also, ich kann persönlich dem lateinamerikanischen Rumgehopse nichts abgewinnen. Die Tänzerinnen und Tänzer sind so mit Schminke zugekleistert, dass ihre Gesichter im Grunde nicht mehr zu erkennen sind, vor allem die der Frauen. Das sieht nur furchtbar, uniform und maskenhaft aus. Uniform sind auch die Bewegungen. Wie losgelassene Schaufensterpuppen toben die Formationen in vorgestanzten Figuren über die Tanzfläche. Alles muss möglichst synchron und perfekt aussehen.

Ich kann da weder irgendeine Musikalität noch Schönheit noch Eleganz erkennen, es ist nur steril, die Bewegungen wirken absolut gespreizt und affektiert. Das Einzige, was dabei Bewunderung verdient, ist die körperliche Leistung. Daher würde ich das ganze auch eher als eine athletische Sportart und nicht als Tanzsport bezeichnen. Aber das Alles wird die hiesigen Medien sicher nicht davon abhalten, die Lateintänzer von 08 weiter zu bejubeln.

Natürlich ist auch Bürgermeister Wilfried Geiger begeistert, denn der Aufstieg befestigt ja Buchholzens Ruf als Sportstadt. Und ihren Anbau an die Nordheidehalle bekommen die Sportler ja nun auch noch. Wie gesagt: Für den Sport ist offenbar immer Geld da in Buchholz