Wie zielführend ist das Mobikon-Konzept? Eindrücke vom Runden Tisch Fahrradverkehr

Von Kristian Stemmler

Im karnevalistischen Sinne war es durchaus unterhaltsam am Dienstagabend in der Buchholzer Rathauskantine. Beim Runden Tisch des Mobilitätskonzeptes 2025 (Mobikon) zum Thema Fahhradverkehr sorgten diverse Beiträge für Heiterkeit. So bemerkte ein Teilnehmer sehr zutreffend, in Buchholz sei offenbar die vorherrschende Meinung, damit der Verkehr fließen könne, gehörten die Radfahrer unter die Erde. Eine Lobby für die Radfahrer sei hier jedenfalls nicht vorhanden.

Das soll sich ja nun ändern und immerhin war die Rathauskantine mit rund 70 Teilnehmern recht gut gefüllt. Allerdings muss man sich nach dem Ablauf der Veranstaltung doch die Frage stellen, ob diese Form eines „Runden Tisches‟ überhaupt zielführend ist. Nach durchaus erhellenden Vorträgen versandete die Diskussion zusehends, ein Statement wurde an das nächste gereiht. Dabei wurde durchaus viel Zutreffendes und Weiterführendes geäußert, aber es fehlte nach meinem Dafürhalten doch die große Linie und die Stringenz.

Da nützte es auch wenig, dass Moderatorin Mone Böcker (raum + prozess) sich alle Mühe gab und schöne Stellwände aufgestellt hatte, auf denen Vorschläge angepinnt werden konnten. Ein Forum mit 70 Leuten, von denen viele das zielgerichtete Diskutieren offenbar nicht gewohnt sind, ist einfach kein geeignetes Instrument, um wirklich Lösungen zu erarbeiten. Dieser Eindruck drängte sich mir jedenfalls gestern auf.

In einem einführenden Vortrag hatte Michael Mühlbauer, Fahrradbeauftragter der Stadt, die Lage des Radverkehrs umrissen. Etwas über eine Million Euro habe Buchholz in den letzten zehn Jahren für den Radverkehr ausgegeben, davon rund 280.000 Euro für Abstellanlagen und über 700.000 Euro für die Erneuerung von Radwegen. Bei den Abstellplätzen sei man weit vorn, habe dafür ja auch die Auszeichnung „Fahrradfreundliche Kommune‟ erhalten. Auch auf diesem Gebiet sei aber noch genug zu tun, so gebe es eine lange Warteliste für die Sammelkäfige und Einzelboxen am Bahnhof.

Dass Buchholz beim Fahrradklimatest des ADFC so schlecht abgeschnitten hat, führte Mühlbauer unter anderem darauf zurück, dass die Stadt beim Thema Leihräder nicht punkten konnte. Hier könne er jetzt aber einen Fortschritt verkünden. Das Autohaus Köhnke werde ab nächster Woche E-Bikes stundenweise verleihen. Er sei der Firma dafür sehr dankbar, das sei das erste derartige Angebot im Zentrum der Stadt.

Im übrigen sei man bei der Abarbeitung des Buchholzer Radverkehrskonzeptes jetzt „an einer Schnittstelle‟ angelangt, wo ein neuer roter Faden gefunden werden müsse. Viele Maßnahmen seien umgesetzt werden, was jetzt komme, werde aber wohl mehr Geld kosten. Mühlbauer betonte, dass ein Augenmerk auf das Thema Verkehrssicherheit gelegt werden sollte. So sei es sicher richtig, den Radverkehr hauptsächlich durch Tempo-30-Zonen zu führen, da die Radunfälle zum größten Teil an den Hauptverkehrsstraßen geschähen. Auch hätten Untersuchungen ergeben, dass Radfahrstreifen und Schutzstreifen für mehr Sicherheit sorgen.

Christina Bytzek vom Planungsbüro SHP Ingenieure stellte die Ergebnisse der Haushaltsbefragung zum Mobikon vor, an der 1593 von 5000 angeschriebenen Haushalten teilgenommen hätten, was ein guter Rücklauf sei. Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass 59 Prozent der Wege in Buchholz mit dem Auto zurückgelegt werden, 14 Prozent mit dem Rad, ebenfalls 14 Prozent mit dem ÖPNV und 12 Prozent zu Fuß. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt werden die Wege zu 60 Prozent mit dem Kfz, zu 8 Prozent im öffentlichen Verkehr, zu 9 Prozent mit dem Rad und zu 23 Prozent zu Fuß zurückgelegt.

Die Fahrradausstattung der Buchholzer Haushalte liegt bei fast 80 Prozent. Etwa ein Drittel der Buchholzer nutzt das Fahrrad regelmäßig, mehr als die Hälfte immerhin gelegentlich. Nur 16 Prozent nutzen nie ein Rad. Fast 80 Prozent aller mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege haben eine Länge von unter 3,0 Kilometer. Für längere Wege wird das Rad kaum genutzt. Das Fahrrad wird zu unterschiedlichen Zwecken genutzt, und zwar zum Beispiel zu 22 Prozent für Einkäufe und Besorgungen, zu 20 Prozent für den Weg zum oder vom Arbeitsplatz und zu 16 Prozent in der Freizeit.

In der an die Vorträge anschließenden Diskussion tauchten viele hinlänglich bekannte Punkte auf. So monierte eine Mutter die Sicherheitsrisiken für die Schüler, die mit ihrem Rad durch den Mühlentunnel fahren müssen. Bemängelt wurde die Regelung am Steinbeker Mühlenweg, wo die Radfahrer auf die Fahrbahn gezwungen werden. Ein Teilnehmer forderte, eindeutig auszuschildern, wo Radfahrer die Fußwege mitbenutzen dürfen.

Ein anderer Teilnehmer richtete den Blick des Forums auf Ahrensburg. Dort habe man den Mut gehabt, die Stadt für den Radverkehr quasi umzukrempeln, der Bürgermeister dort stehe voll hinter dem zuständigen Mitarbeiter (hier gab es Gelächter). Auch in Buchholz könne erheblich mehr getan werden, dazu müsse Mühlbauer aber auch das Zehnfache des jetzigen Etats zur Verfügung gestellt werden. Für diesen Vorschlag gab es viel Applaus. Zielführend war sicher auch die Anmerkung von Ratsfrau Alexa Vetter (Grüne), die einen Arbeitskreis Radverkehr anmahnte.

So kamen diverse gute Vorschläge auf den Tisch, die aber in den meisten Fällen nicht ganz neu waren. Es bleibt abzuwarten, was beim Mobikon letztlich herauskommt. Zu begrüßen ist auf jeden Fall, dass es in Buchholz überhaupt mal einen solch offenen Diskussionsprozess gibt. Aber angesichts der Verweigerer im Rathaus (Bürgermeister) und im Rat (CDU und FDP) werden sich wirkliche Fortschritte – also die Entwicklung von Buchholz zu einer fahrradfreundlichen Stadt, die diesen Namen verdient – wohl nur erreichen lassen, wenn die Mehrheit im Rat sich durchsetzt.

Verdienstvollerweise hat die Buchholzer Liste dafür, rechtzeitig zum Runden Tisch, eine Art Masterplan vorgelegt: das Positionspapier „Förderung des Fahrradverkehrs in der Stadt Buchholz i. d. N.‟. Darin heißt es unter anderem: „Wenn in Buchholz der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr dauerhaft erhöht werden soll, dann kann dies nur auf der Grundlage einer generellen Prioritätensetzung zugunsten des Radverkehrs gelingen.‟

Das Papier der BuLi listet eine ganze Reihe von Forderungen auf, über die der buchholzblog in einem eigenen Beitrag berichten wird. Einen Punkt will ich aber mal vorab benennen, denn der setzt da an, wo ein entscheidendes Problem zu finden ist: „Die Förderung des Radverkehrs in Buchholz muss zur Chefsache werden. Dazu muss eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Bürgermeisters eingesetzt werden.‟

Wenn Geiger & Co. endlich von ihrer unseligen Fixierung auf den Ostring loskämen, hätten sie vielleicht auch mal die Kapazität, um sich um solche, erheblich zielführendere Aufgaben zu kümmern!

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