Halleluja! Ostereier bei Lidl!

Von Kristian Stemmler

Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, sonst glaubt man es nicht! Bei meinem Einkauf im Lidl City Center kam ich fast ins Stolpern vor Schreck, als ich eine Batterie Osterhasen und Ostereier aus Schokolade erblickte. Wohlgemerkt: Wir haben gerade Anfang Februar, sind mitten in der Karnevalszeit, die Fastenzeit ist noch zehn Tage entfernt, Ostern noch fast 60 Tage, der Landkreis hat gerade die letzten Tannenbäume von der Straße geholt (wobei einige noch übersehen wurden) – aber die Discounter meinen, den Leuten jetzt schon Ostersüßigkeiten offerieren zu müssen.

In katholischen Gegenden, in Sachsen und Teilen des Erzgebirges wurde am heutigen 2. Februar das Ende der Weihnachtszeit begangen und wird es vielleicht sogar heute noch. Denn am 2. Februar wird das Fest der „Darstellung des Herrn‟ oder auch Mariä Lichtmeß begangen. Es geht zurück auf das jüdische Gesetz, dass ein neugeborener Junge 40 Tage nach der Geburt im Tempel präsentiert („dargestellt‟) und mit einem Geld- oder Tieropfer ausgelöst werden musste. Frauen galten damals 40 Tage nach der Geburt als unrein.

Wer weiß so etwas heute noch und wen interessiert es überhaupt?! Jahrhundertealte Traditionen werden umstandslos über Bord geworfen. Dafür unterwerfen wir uns mehr oder weniger klaglos den Direktiven des Konsums. Immer mehr Leute fressen bereits im September Spekulatius, „weil sie da noch so frisch sind‟, und dieselben werden jetzt sicher auch zu den Osterhasen greifen. Guten Appetit! Die Konsumgüterindustrie und der Einzelhandel liefern uns immer wieder aufs Neue Belege, wie durchgeknallt diese Konsumgesellschaft ist.

Apropos durchgeknallt: Zu all dem Wahnsinn würde es prima passen, wenn die TV-Ekel-Trash-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!‟ vom Müllsender RTL den renommierten Grimmepreis bekommt. Irgendein alter Lateiner hat mal geschrieben: „Es ist schwer, keine Satire zu schreiben.‟ Heute ist es noch schlimmer – heute muss es heißen: „Es ist schwer, eine Satire zu schreiben.‟ So verdreht und verrückt wie die Realität, kann eine Satire kaum noch sein!

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6 Comments

  1. Der Kommentar geht leider ziemlich an der Sache vorbei: Mit den Dumpingpreisen in unseren Discountern schädigen wir die Erzeuger in diesem Land und auf der ganzen Welt. Die Tiefstpreise für Kaffee z. B. tragen dazu bei, dass Kaffeebauern in Entwicklungsländern darben müssen. Das hat mit „Ökotralala“ nix zu tun! Und natürlich kann man mit nachhaltig erzeugten Lebensmitteln die Weltbevölkerung satt kriegen.

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  2. Wie soll man 7 Milliarden Menschen dauerhaft satt kriegen? Mit Ökotralala wird das nix.
    Ach ne, hier geht es ja um Deutschland, wer zufällig 4000 km geboren wird, hat eben Pech gehabt und verhungert.

    Fazit: Wir sind sozial, aber nur Deutschen gegenüber.

    Im übrigen: Nicht nur Osterhasen, sondern Dominosteine das ganze Jahr, bitte sehr!!!!

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  3. Hallo Yomaan,
    Deine Einstellung finde ich erst mal sehr begrüßenswert und aller Ehren wert! Fünf Jahre lang keinen Discounter zu betreten, ist sicher eine Leistung. So konsequent bin ich nicht, sehe aber auch nicht, dass ich die Birne dafür hinhalten soll, dass man mich künstlich verarmt hat. Es laufen so viele Leute mit viel Knete draußen rum, sollen die doch bei Aleco einkaufen. Generell bin ich zudem der Ansicht, dass man diese Dinge politisch lösen muss. Dazu ist aber nicht nur ein gewisses Umsteuern, sondern im Grunde ein Systemwechsel erforderlich. Wir müssen ganz weg von der Fixierung auf den Konsum. Das wird aber wohl nicht so schnell passieren. Da muss erst eine Katastrophe her, sagen wir eine Hühnerseuche, die in der Massentierhaltung ausbricht und die halbe Bevölkerung erfasst… Schaun mer mal!

    Solidarischer Gruß
    Kristian

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  4. Ich bin nun wahrlich alles andere als ein Großverdiener, aber ich leiste mir den Luxus diese Preistreiber in keinster Weise zu unterstützen. Unsere Milchbauern werden von Konzernen dieser Art kaputt gemacht; da verbietet es sich mir, diese zu unterstützen. Ich sage ja nicht, dass es nur Hof Wörme oder der Wochenmarkt sein soll, aber es ist meines Erachtens nicht zu übersehen, dass mit den Albrecht Brüdern &Co eine katastrophale Entwicklung der Erzeugung unserer Lebensmittelwelt Fahrt aufgenommen hat. Es macht mich auch sehr ärgerlich, immer wieder die gleichen falschen Floskeln hören zu müssen, Grundnahrungsmittel seien im Discounter unschlagbar günstig. Ich möchte keine unschlagbar günstigen Lebensmittel, ich möchte gute Lebensmittel und ich möchte mir diese auch leisten können. Das wird uns aber nicht gelingen, wenn wir uns weiter von der Discounter-Idee einnehmen lassen. So sorge ich für ein schmutzig erzeugtes Lebensmittel. Wir leben hier im so genannten Speckgürtel Hamburgs und haben gleichzeitig eine Discounterdichte, die ihresgleichen sucht “Einkaufstadt Buchholz“. Dies erschließt sich mir nicht. Die meisten Menschen haben für alles Geld, aber nicht für ein vernünftig erzeugtes Lebensmittel. Dies ist wie in vielen Studien bewiesen ein typisch deutsches verhalten. Wenn sich hierzu Lande jemand einen Fernseher kauft, kann man davon ausgehen, der Interessent hat sich mit den Produkten mehrere Std. auseinandergesetzt. Mit Lebensmitteln setzt man sich dann wenige Minuten auseinander. Mit so einem Verhalten spielen wir diesen Konzernen super in die Karten. Leider ändern wir damit aber auch weiterhin nichts. Wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass wir die Macht haben, den Discountern die rote Karte zu zeigen. Ich wäre schon glücklich, wenn diese Ketten einfach so viel weniger Umsatz machen, dass man nicht an jeder Ecke einer dieser Scheißläden sehen muss. Ich wünsche mir eine Ausgewogenheit, die einer Seite nicht diese Übermacht verleiht. Ich bin leidenschaftlicher Bier-Trinker, kann und will mir aber nicht ansatzweise vorstellen, mein Bier aus einer Pet-Flasche trinken zu müssen, aber wer es mag, nur zu. Der „Genuss“ ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Schätzung des Produktes. Wie schon oben erwähnt, bin ich absolut kein Großverdiener, aber ich bekommen es hin schon seit ca. 5 Jahren keinen Discounter mehr betreten zu haben. Und ich muss auf nichts verzichten, was ich mir hätte vorher auch nicht hätte leisten können:-) Nur so als Anregung Dinge, die sich einschleichen, zu ändern. Alles andere ist, so behaupte ich Bequemlichkeit.

    Beste Grüße

    Yomaan

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  5. Wochenmarkt oder Hof Wörme ist sicher ne gute Sache, aber das kann ich mir halt pekuniär nicht erlauben. Bei Grundnahrungsmitteln wie Milch, Butter, Bier etc. ist der Discounter erste Wahl, weil er preislich unschlagbar ist. Es tut mir leid, aber weite Kreise der Bevölkerung sind gezwungen, bei Lidl & Co. zu kaufen.

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  6. was gehste auch in so nen Scheißladen einkaufen, kauf auf dem Wochenmarkt, oder fahr zum Hof Wörme, unterstütze das Regionale Produkt dann musste dich über diesen Quatsch nicht aufregen.

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