Piraten in Pole Position – die Hitparade der Wahlplakate

Veröffentlicht: 2013-01-08 in Analysen, Politik
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Von Kristian Stemmler

Es gehört zu den demokratischen Ritualen, dass vor einer Wahl der öffentliche Raum von den Parteien mit Plakaten zugeballert wird. Ob das Sinn macht, ist eine andere Frage, denn die meisten Leute, so ist zu befürchten, gehen eher achtlos bis angenervt an der Wahlwerbung vorbei. Das ist schade, denn mit der Gestaltung ihrer Plakate zeigen die Parteien doch auch, wie sie ticken, auf welches Klientel sie zielen und was ihnen besonders wichtig ist. Der buchholzblog hat sich darum die Kampagnen der wichtigsten Parteien, die zur Landtagswahl am 20. Januar antreten, mal genau angesehen und präsentiert hier eine (rein subjektive) Hitparade der Wahlplakate:

Gold: Die Piraten

Die Werbung großer Marken zu parodieren ist eine tolle Idee und die Piraten haben sie mit Witz und viel Kreativität umgesetzt. So wird etwa die Milka Werbung parodiert: „Piraten – Die zarteste Versuchung, seit es Parteien gibt“. Es bleibt aber nicht beim Wortspiel, die Plakaten vermitteln auch inhaltliche Aussagen, rufen etwa dazu auf, wählen zu gehen. Natürlich muss man zweimal hingucken und ein wenig mitdenken, bis man das Prinzip der Kampagne begriffen hat. Aber da die Piraten auf ein junges, mediengewandte Klientel schielen, ist das kein Nachteil. Einziges Manko: Naturgemäß kann es bei dieser Kampagne kein durchgängiges, auf den ersten Blick wiedererkennbares Stilprinzip geben – aber das ist die Sache wert und durchaus zu verschmerzen.

Silber: Bündnis 90/Die Grünen

Was die Balance zwischen Originalität und Substanz angeht, sind die Grünen ganz vorn. Auf den Plakaten der Partei werden, schnell erkennbar und gut umgesetzt, klare inhaltliche Botschaften vermittelt. Hervorragend gelungen ist das zum Beispiel auf dem Plakat, das ein Huhn zeigt, Text dazu: „Ernährung ist eine Frage der Haltung“. Auch nehmen die Grünen sehr explizit Buchholzer Themen auf, etwa mit dem Ortschild auf dem rot durchgestrichen die Wörter „Buchholz im Autowahn“ steht oder mit den Motiven zum Ostring, die – graphisch gut umgesetzt – die wesentlichen Argumente gegen die teure Umgehung zitieren.

Bronze: DIE LINKE

DIE LINKE hat wohl die klarste Botschaft von allen Parteien. Sie tritt für soziale Gerechtigkeit ein und nutzt mit ihrer Kampagne die Verärgerung vieler Menschen über die Milliarden, die in den vergangenen Jahren im Bankensektor versenkt worden sind. „Statt Spekulanten“, so fangen die Slogans an, um dann etwa mit „Krankenhäuser retten“ fortgesetzt zu werden. Die Umsetzung ist nicht immer geglückt. So wirkt etwa die auf Weihnachten gemünzte Aussage „Statt Spekulanten Kinder beschenken“ an den Haaren herbeigezogen. Und der Tannenbaum auf dem Plakat ist zwei bis drei Wochen nach Weihnachten auch nicht mehr so zeitgemäß. Für das Großplakat mit Zugpferd Lafo hat man ein Foto von Oskar Lafontaine ausgesucht, auf dem er nicht besonders sympathisch rüberkommt.

Vierter: FDP

Die Verteilung auf den hinteren Plätzen nach den ersten Drei ist mir sehr schwer gefallen, weil eine Kampagne schlechter ist als die andere. Für die Liberalen spricht eigentlich nur, dass sie wenigstens eine Botschaft haben, wenn die auch dünn ist. Auf Großplakaten wird gefordert, keine Schulden mehr zu machen, was ja das Mantra dieser Partei geworden ist. Die Plakate des hiesigen Kandidaten Martin Pries sind grottenschlecht, wirken wie mit Schere und Klebstoff selbst gebastelt, und die Aussage „Neue Impulse für den Landtag“ ist wirklich eine Nullaussage. Das dann auch noch inhaltlich mit dem „Ja zum Ostring“ zu verknüpfen ist echt mehr als beliebig und belanglos.

Vorletzte: SPD und CDU

Die beiden Volksparteien teilen sich den vorletzten Platz und haben sich das redlich verdient. Inhaltsleerer geht’s nicht! CDU und SPD haben sich weitgehend damit begnügt, die Gesichter ihrer Kandidaten – also jeweils den Spitzenkandidaten und den hiesigen Kandidaten – zu plakatieren. Die CDU hat da immerhin noch den Vorteil, dass David McAllister und Heiner Schönecke hier einigermaßen bekannt sind. Stefan Weil und Udo Heitmann, die für die Sozis ins Rennen gehen, kennt dagegen außerhalb politisch interessierter Kreise wohl keine Sau. Bei der SPD ist auf den kleinen Hohlkammerplakaten (Kunststoff statt Holz) das Parteienlogo im Vorbeifahren kaum zu erkennen, der Spruch „Anpacken. Besser machen“ ebensowenig. Wenn diese Parteien, egal welche von beiden, so das Land regieren, wie sie ihre Wahlkampagnen gestalten – Prost Mahlzeit!

Letzter: Freie Wähler

Die Plakate der Freien Wähler sind zwar gut gestaltet und haben eine klare Aussage. Aber hier hat ein Kriterium zur Abwertung geführt. Mit Slogans wie „Genug Geld versenkt im Mittelmeer“ oder „Eurokrise – nicht zu Lasten deutscher Steuerzahler!“ fischen die Freien Wähler ganz klar im Trüben, und zwar am rechten bzw. rechtspopulistischen Rand, reiten auf der Anti-Europa-Welle und Anti-Griechenland-Welle. Das geht gar nicht!

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