Krieg in den Jobcentern – 27Jähriger randaliert in der Harburger Agentur für Arbeit

Von Kristian Stemmler

Die systematische Ausgrenzung von immer mehr Menschen in diesem Land lässt den Druck im Kessel steigen, führt zu Aggressionen und wachsender Gewalt und immer wieder zu Explosionen an den Orten der Demütigung, den Jobcentern. Deren Mitarbeiter müssen die Folgen einer brutalen Segregationspolitik tragen! – Diese Zeilen habe ich Ende September geschrieben, als ein arbeitsloser Mann eine 32 Jahre alte Sachbearbeiterin eines Jobcenters in Neuss erstochen hatte. Jetzt ist ein 27-Jähriger in der Agentur für Arbeit in Harburg ausgerastet.

Nach Angaben der Harburger Anzeigen und Nachrichten schnappte sich einen Metallständer und schlug damit auf einen Geldautomaten ein. Dann stieß er eine Stellwand um und riss Computer von Schreibtischen. Als die Security eingriff, griff der 27-Jährige zu einer Eisenstange und attackierte die Männer. Sicherheitspersonal und andere Kunden konnten ihn überwältigen, die Polizei nahm ihn vorläufig fest. Bei der Festnahme drohte er, beim nächsten Mal mit einem Messer zu kommen und jemanden im Jobcenter abzustechen.

Ohne die Tat des Mann irgendwie verharmlosen zu wollen – diese Gewalt in den Jobcentern ist die direkte Folge der Umverteilung von unten nach oben, von der vor kurzem der Entwurf zum vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beredtes Zeugnis abgelegt hat. Nur wenn es endlich gelingt, in dieser Gesellschaft für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen, wird die Eskalation der Gewalt zu stoppen sein. Andernfalls fliegt uns der Laden, wie bereits mehrfach im blog angemerkt, um die Ohren, uns allen.

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3 Comments

  1. Natürlich muss man immer die Hintergrunde des Einzelfalles betrachten. Aber die Vielzahl der Vorfälle in den Jobcentern, von der auch die HAN berichtet, spricht eine deutliche Sprache. Die Wut der Ausgegrenzten nimmt zu, da beißt die Maus keinen Faden ab.

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  2. Nicht nur die ungerechte Verteilung des Wohlstandes in Deutschland führt dazu. Ein beträchtlicher Teil ist auch in den Jobcentern hausgemacht : Arbeitssuchende werden von oben herab behandelt, mit bürokratischen Anforderungen drangsaliert und vielen wird auch nicht richtig zugehört. Dazu eine Durchleuchtung der privaten Verhältnisse heute, die zu Stasi-Zeiten nicht extremer sein konnte. Mich wundert nicht, wenn das Aggressionspotential bei Jobcenter-Abhägigen immer größer wird. Ich war vor fünf jahren einmal nur für zwei Monate arbeitslos, und meine nur geringfügigen Erfahrungen mit dem „Jobcenter“ waren schon nicht besonders erhebend.

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  3. Das ist wohl wahr, trotzdem ist, über diesen Fall auf diese Wahrheit zu schließen, ein sehr zweifelhaftes Verfahren, weil über diesen „Ausraster“ nichts Genaues gesagt wird. Das, was der Mann getan hat, kann sich bei näherem Hinsehen durchaus als weniger im Zusammenhang mit einer „sozialen Ungerechtigkeit“ stehend erweisen, sondern auch als inakzeptabel in Hinsicht auf das Motiv, also den Grund zur Gewalttätigkeit. Ein Totschlag auf der Straße geschieht auch wegen Diskriminierung, Armut, Ungerechtigkeit? Ach, ja…

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