Bücherkate wird geschlossen: Grüne wollen Denkmalschutz – Vorschlag: Macht ein „Haus der Heimat“ daraus!

Von Kristian Stemmler

Wenn nicht alles täuscht, steht in Buchholz ein Kampf um ein historisch bedeutendes Gebäude an, das letzte Zeugnis der bäuerlichen Vergangenheit der Stadt im Zentrum. Unter der Überschrift „Abschied von der Bücherkate“ berichtet das Nordheide Wochenblatt, dass Buchhändlerin Andrea Verdieck am Heiligabend ihren Buchladen in dem Fachwerkhaus am Treffpunkt schließt. Die Zukunft des Gebäudes ist jetzt offen – die Grünen haben im Stadtrat beantragt, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen (bravo!!), der Eigentümer ist irritiert. Es liegt auf der Hand, dass er das Filetstück versilbern will und das Haus dafür weg müsste.

Im Aufmacher auf der ersten Seite des Wochenblattes erläutert Chefredakteur Reinhard Schrader persönlich die Hintergründe. Fast lesen sich Schraders Worte wie ein Abgesang auf das alte Buchholz, die Kritik an der Bau- und Entwicklungspolitik in den vergangenen Jahren ist nicht zu überhören. Das ist sympathisch, aber es fragt sich, ob das Wochenblatt der richtige Ort für seine Kritik ist, denn wenn ich richtig liege, ist es das Leib- und Magenblatt der Makler, der Wirtschaftsrunde und anderer, die vom Buchholzer Boom profitiert haben und noch profitieren.

Sei`s drum, sein Plädoyer auf der Eins ist dennoch zu begrüßen. „Nur die wenigsten wissen noch, dass teilweise bis in die Nachkriegszeit Bauernhöfe und Sandwege das Bild der Nordheidestadt bestimmten“, schreibt Schrader (dazu gab es kürzlich eine vorzügliche Ausstellung von Stadtarchivarin Dörte Bölsche in der Stadtbücherei). Und Schrader fährt fort: „Alles musste dem Bauboom der vergangenen Jahrzehnt weichen. Nur die Bücherkate steht noch. Sie diente einst als so genannten Häuslingshaus des Steppens-Hofes, der ebenfalls längst von der Bildfläche verschwunden ist.“

Dass dies jetzt auch dem letzten Fachwerkhaus im Zentrum droht, geht aus den Beiträgen im Wochenblatt unzweifelhaft hervor. Zitiert wird Hein-Dirk Hinrichs aus Herford (Nordrhein-Westfalen), der Eigentümer der Immobilie, der sich von dem Vorstoß der Grünen, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, überrascht zeigt. „Mit mir hat bisher niemand darüber gesprochen“, sagte Hinrichs dem Wochenblatt.

Es gehört nicht viel Grips dazu sich zusammenzureimen, dass der Mann das Grundstück in prächtiger Lage zu Geld machen will. Und angesichts der bisherigen Erfahrungen in Buchholz dürften da viele auf seiner Seite sein, Bürgermeister und der Großteil der Verwaltung zum Beispiel. Es fragt sich auch, ob eine Mehrheit im Stadtrat für den Antrag der Grünen zustande kommt. Da mein Mandat vermutlich im neuen Jahr wieder auflebt, werde ich auf jeden Fall dafür stimmen. Ich bin auch jederzeit bereit, in Unterschriftensammlungen etc. pp. für das Haus einzusteigen, auch wäre es sicher ein Projekt für ein Bürgerbegehren.

Aber dazu muss es ja nicht kommen. Mein Vorschlag: Die Stadt kauft das Gebäude und macht es zum „Haus der Heimat“, zum neuen Sitz des Stadarchivars/der Stadtarchivarin, Dörte Bölsche hört Anfang des neuen Jahres auf, der Nachfolger/die Nachfolgerin könnte gleich dort einziehen und sich mit seinen vielen Dokumenten genüsslich ausbreiten.

Vielleicht könnte man dort, wenn noch Platz ist, auch eine kleine Teestube oder ähnliches installieren. Buchholzer und Auswärtige könnten vorbeikommen und sich über die Geschichte der Stadt informieren – über die alten Bauernhöfe, die Verwandlung zur Eisenbahnerstadt, die traurige Vorreiterrolle in der NS-Zeit (Otto Telschow), den Wiederaufbau und den aktuellen Wandel zum Rekreationsreservat für Hamburger und ihre Familien.

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