Die neue Gefahr: MRSA-Keime aus dem Hühnerstall – Landkreis Peine fordert Gutachten

  1. DSC_8321

 Von Kristian Stemmler

Offenbar wird das überaus brisante Thema der Belastung durch multiresistente Keime (MRSA) im Umfeld von Anlagen der Massentierhaltung in der Öffentlichkeit zunehmend wahr und ernst genommen. Wie das Landesnetzwerk Niedersachsen „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ jetzt mitteilt, fordert der Landkreis Peine von einem Antragsteller, der einen zweiten Hühnermaststall bauen will, ein so genanntes Keimgutachten. Dabei berufe sich der Landkreis auf eine Empfehlung des niedersächsischen Umweltministeriums. Das Landesnetzwerk begrüßte diese Entscheidung als „längst überfälligen Schritt“.

Der Landkreis Peine ist damit der dritte niedersächsische Landkreis, der ein solches Keimgutachten verlangt. Zuvor hatte bereits der Landkreis Emsland den Nachweis verlangt, dass für die in der Nachbarschaft einer geplanten Anlage der Massentierhaltung lebenden Menschen keine gesundheitlichen Risiken bestehen. Und auch der Landkreis Harburg fordert, wie im blog berichtet, von der Sprötzer Landwirtsfamilie Eickhoff, die im Außenbereich des Buchholer Ortsteils einen zweiten Hühnermaststall bauen will, ein Keimgutachten, das bisher nicht vorliegt.

Bereits im Frühjahr hatte der renommierte Kritiker der Massentierhaltung, Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, auf einer Veranstaltung in Heidenau vor der neuen Bedrohung der Bevölkerung durch gewarnt. Seit zehn Jahren entwickelten sich in der Massentierhaltung Keime „und zwar in Richtung Aggressivität“. Es sei zu befürchten, dass diese Keime eine Verbindung mit den ebenfalls brandgefährlichen Krankenhauskeimen eingingen.

Durch die Zwangsbelüftung der Hühnermastställe würden die Keime in die Umgebung geblasen. Im Umkreis von etwa einem Kilometer um den Stall habe man eine höhere Konzentration von Keimen und die Häufung bestimmter Erkrankungen nachgewiesen. Niemann wies damals auch darauf hin, dass die Maststall-Projekte den Ruf der anderen Landwirte schädigten und Gräben in den Dörfern aufreißen. Nach seinen Informationen seien in Deutschland bereits rund 2000 Hühnermastställe mit der ominösen Zahl von knapp unter 40.000 Plätzen errichtet worden, derzeit seien weitere 900 in Bau oder in Planung.

Das Landesnetzwerk Niedersachsen spricht in seiner aktuellen Pressemitteilung von einem „unsichtbaren Risiko“ für die Menschen, weist zudem auf die Möglichkeit der Kontamination von Böden und Pflanzen in der Umgebung von Mastställen hin und fordert die Behörden zum Handeln auf. „Die Vorlage eines Keimgutachtens durch den Bauherrn muss für jeden geplanten Massentierstall in ganz Niedersachsen ab sofort generell verpflichtend sein“, fordert Michael Hettwer, Sprecher des Landesnetzwerkes, und fügt hinzu: „Die Politik ist hier gefordert, sofort klare Regelungen zu schaffen und dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen Einzelner zu geben.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s