Hemmungslose Lobbyarbeit – die Sportvereine von Buchholz setzen ihre Interessen durch

Veröffentlicht: 2012-12-08 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Alle Jahre wieder wird bei den Haushaltsberatungen des Stadtrats am Ende des Jahres ein Füllhorn über die Sportvereine der Stadt ausgegossen. Soviel ist mir nach einem Jahr im Rat klar geworden: Die Sportvereine haben in Buchholz eine große Lobby und können fast alles durchsetzen – aber auch nur fast. Zuletzt scheiterten sie mit ihrem Begehren an die Nordheidehalle Container mit Sanitärräumen anzudocken, hauptsächlich für die Formationstänzer von Buchholz 08. Nichtsdestotrotz wurde bei den gestrigen Haushaltsberatungen wieder das hohe Lied des Sports gesungen.

Ein herausragendes Beispiel für die ungehemmte Lobbyarbeit der Vereine lieferte kürzlich der 08-Chef Lothar Hillmann im Wochenblatt. In einem Leserbrief durfte er sich mit beispielloser Polemik über die Anwohner des Kunstrasenplatzes an der Wiesenschule hermachen. Wie im blog berichtet, haben die Anwohner unter der Führung des Ehepaares Schrader und ihrer Nachbarin Dörte Nissen beim Verwaltungsgericht Lüneburg eine Einstellung des Betriebs auf dem Platz beantragt, ausgenommen ist der Schulsport.

Vor einigen Wochen konnte ich mich mit eigenen Augen und Ohren von der beispiellosen Belastung der Schraders und anderer Anwohner überzeugen. Hillmann scheint sich dagegen in keinster Weise für die Belange der Anwohner zu interessieren, er behauptet frech, „eine Minderheit der Anwohner“ versuche „ihre egoistischen Interessen“ durchzusetzen, spricht von „rücksichtslosem Durchsetzen von Eigeninteressen“. Die Sportler hätten von einigen Balkonen und Terrassen „ungehemmtes Fotografieren“ über sich ergehen lassen müssen.

Der Leserbrief von Lothar Hillmann ist diffamierend und unverschämt und zeigt, mit welcher Arroganz die großen Sportvereine in Buchholz auftreten. Der buchholzblog veröffentlicht zur Klarstellung eine Stellungnahme von Gerd Schrader zu Hillmanns Einlassungen. Hier sein Text:

Herr Hillmann sorgt sich um die Fakten, die nicht vergessen werden sollten. Fakt ist: 

  • dass sich der Trainingsbetrieb auf dem Sportplatz Wiesenschule seit dem Neubau des Kunstrasens im Jahr 2010 gegenüber vorher in etwa vervierfacht hat.
  • dass der Wochenend-Spielbetrieb von faktisch Null auf ein Maß gestiegen ist, das kaum noch ruhige, sommerliche Stunden im eigenen Garten zulässt.
  • dass sich die Lichtimmission des Flutlichts zeitlich von gelegentlich auf täglich stundenlang gesteigert hat und auch die Beleuchtungsstärke stark erhöht wurde (Hier zählt Lumen, nicht Watt).
  • dass sich der Lärmpegel beim Fußball (früher ausgehend von einer Handvoll Spieler in wenigen Wochenstunden, heute erzeugt von bis zu 30, 40 Trainierenden an jedem Wochentag) extrem gesteigert hat
  • dass zusätzlich zu den „normalen“ Sportgeräuschen nun auch noch das laute Knallen von Hockeyschlägern und -bällen auf Metalltoren hinzukommt
  • dass es die „einvernehmliche“ Nutzungsvereinbarung gar nicht gibt, sondern den Anwohnern ohne weitere Diskussion eine von der Stadt und dem Verein festgelegte Nutzungsordnung vorgesetzt wurde, die garniert ist mit lauter Könnte-Formulierungen und Ausnahmen.
  • dass die Sportvereine sich vielfach nicht an diese sogenannte Vereinbarung halten und diese laufend übertreten (könnte hier der Grund für „ungehemmtes Fotografieren“ liegen ?).

Rücksichtsloses Durchsetzen von Eigeninteressen seitens der Anwohner? Jener Anwohner, die seit über 20 Jahren am Heidekamp wohnen und bis 2010 nie Probleme mit dem Sportplatz hatten, nun aber die Klage unterstützen? Oder der Anwohner an der Lohbergenstraße, von denen acht Jahre lang bis 2010 nicht eine Beschwerde über den Vereinssport laut wurdeNein, rücksichtslos ist das Eindringen der Vereinssportler in die Gärten der Anwohner, um ihre Bälle wiederzuholen, egal ob dabei etwas zertrampelt wird.

Nein, die Rücksichtslosigkeit liegt hier auf Seiten der Stadt und auch gerade des TSV Buchholz 08, die, ohne anderer Leute Bedürfnisse zur Kenntnis nehmen zu wollen, ihre Interessen und Belange gnadenlos durchziehen.

Dieses zeigt sich auch in dem Schreiben des Herrn Hillmann. Gerade ein Vorsitzender eines großen Sportvereines sollte mit seinen Formulierungen etwas behutsamer umgehen. Da macht das sinnlose Herausreißen von Zitaten aus dem Zusammenhang die Argumentation auch nicht besser.

Gerd Schrader, Buchholz“

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Kommentare
  1. Stefan sagt:

    Was noch fehlt und die Stadt Buchholz sogar selbst zugegeben hat:
    Sportplatz und erst recht das Flutlicht sind Schwarzbauten! Bei Privatpersonen (Prosper…) ist die Stadt nicht zimperlich und lässt abreissen, ihre eigenen Schwarzbauten werden hingegen auf Teufel komm raus verteidigt.

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