Archiv für Dezember, 2012

imagesVon Kristian Stemmler

Alle Jahre wieder wird der Jahreswechsel für alle Arten von Jahresrückblicken genutzt. Aber das kann ja jeder. Viel schwieriger sind Jahresvorschauen. Der buchholzblog hat einmal tief in die Glaskugel geschaut (oder war es: zu tief ins Glas? Egal!) und präsentiert weltexklusiv, wie es im nächsten Jahr in Buchholz weitergeht. Lesen Sie selbst! 

  • Januar – Bürgermeister Wilfried Geiger (auch parteilos) präsentiert beim Jahresempfang in der Empore in einer umjubelten Rede sein Programm „Boomtown Buchholz 2020“. Nachdem er seine Großtaten des abgelaufenen Jahres herausgestrichen hat, ruft er den 500 Gästen zu: „Wir fangen gerade erst an!“ Die Stadt,werde sich binnen kurzem in die wirtschafts- und sportfreundlichste Kommune der Republik verwandeln. Geiger:„Sie werden Buchholz schon bald nicht mehr wiedererkennen!“ Am 20. Januar votieren 80 Prozent der Buchholzer für den Bau des Ostrings. Die Makler beginnen sofort mit dem Abverkauf der Grundstücke im Umfeld der geplanten Trasse.
  • Februar – An der Peripherie der Stadt wird mit dem Bau der sechs neuen Parkhäuser Nord, Ost , West, Mitte, Südwest und Nordwest begonnen, die Gewerbegebiete IV bis VI werden feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Geiger kündigt ein neues Wohnungsbauprogramm an. Alle Wohnhäuser, die vor 1990 gebaut wurden, sollen abgerissen und durch mehrgeschossige Bauten mit Eigentumswohnungen ersetzt werden. Auf Kritik im Stadtrat, das sei unsozial, reagiert der Bürgermeister ungehalten: „Wer sich die neuen Wohnungen nicht leisten kann, gehört nicht nach Buchholz.“ Zahlreiche Abriss- und Baufirmen siedeln sich in Buchholz an.
  • März – Nach der Rodung des Klecker Waldes entsteht in Rekordzeit an seiner Stelle mit Unterstützung des ADAC eine Formel-1-Strecke, die den Namen „Arno-Reglitzky-Ring“ trägt. Zur feierlichen Einweihung kommt Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel nach Buchholz und verteilt in der Fußgängerzone Gratisproben „Head & Shoulders“ an die Passanten. Sein Hauptsponsor steigt groß in die Sportförderung der Stadt ein, Buchholz wird in Redbulltown umbenannt, der Bürgermeister trägt jetzt den Titel City-Manager.
  • April – Das historische Kätnerhaus an der Lindenstraße, in dem sich bis Heiligabend 2012 die Buchhandlung „Bücherkate“ befand, wird abgerissen. Nachdem der Stadtrat bei einer Enthaltung (Pirat) für die gesamte Innenstadt die Geschosshöhe freigegeben hat, wird auf dem Grundstück mit dem Bau eines 16stöckigen Hochhauses begonnen. Auf dem Dach des „Geiger-Towers“ soll ein Huberschrauberlandeplatz entstehen, von dem der City-Manager zu seinen Vorträgen im In- und Ausland mit dem Titel „So machte ich Redbulltown zu der Boomtown in Deutschland“ starten kann. Geiger kündigt den Bau von zehn weiteren Hochhäusern im Zentrum an.
  • Mai – Der Stadtrat beschließt bei einer Enthaltung (Pirat), die Gewerbesteuer zu halbieren. Daraufhin setzt ein Run auf die Gewerbegebiete ein, der Geld in die Kasse der Kommue spült. Mit einem Teil des Geldes wird in Redbullseppensen eine Acht-Feld-Sporthalle gebaut. Die Fantastischen Vier präsentieren bei einem umjubelten Gastauftritt in der neuen Halle ihre extra komponierte Hymne „Be Bulltown, be happy“.
  • Juni – Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wird das neue, zwölf Fußballfelder große Glasdach über der Fußgängerzone eingeweiht, das ein sorgenfreies Shoppen auch bei schlechtem Wetter garantiert. City-Manager Wilfried Geiger spricht von einer „Sternstunde für Redbulltown“. Das vom Hamburger Stararchitekten Hadi Teherani entworfene geschwungene Dach kann im Sommer von Skatern und im Winter von Skifahrern als Slalomstrecke genutzt werden.
  • Juli – Mit großem Pomp wird die neue Arena auf dem Rütgersgelände eingeweiht. City-Manager Wilfried Geiger spricht von einer „Sternstunde für Redbulltown“. Bis auf einige Meckerer sind alle mit dem Stadion, das 60.000 Zuschauer fasst und Schauplatz der Ligaspiele des aufgestiegenen Redbulltown 08 ist, hoch zufrieden. Nur die Wahl des Sponsors der „Hakle-Feucht-Arena“ sorgt hier und da für Kritik.
  • August – Früher als erwartet wird die Zukunftswerkstatt eröffnet. Dank der großzügigen Unterstützung zahlreicher weiterer Sponsoren aus der Wirtschaft konnte die Grundfläche des Gebäudes verdoppelt werden. Auch das Programm wurde erweitert. Neben den MINT-Fächern, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik, werden den Schülern in Chrashkursen auch Grundlagen der Wirtschaftsordnung vermittelt, zum Beispiel: „Warum Profit gut ist“, „So spekuliert man an der Börse richtig“ und „Vom Segen des Fortschritts“. Der City-Manager spricht bei der Einweihung von einer „Sternstunde für Redbulltown“.
  • September – Mit großem Pomp wird am Holzweg der neue Tanzpalast für die Lateinamerika-Formationen von Redbulltown 08 eingeweiht. Geiger spricht von einem „Segen für Redbulltown“. Besonders stolz sei die Stadt auf den großzügigen Sanitärtrakt mit den Luxus-Wellness-Duschen, in denen gleichzeitig sämtliche Tanzformationen, drei Fußballmannschaften und zwei Handballmannschaften von 08 und von Blau-Weiß Redbulltown duschen können.
  • Oktober – Das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm kommt gut voran. Es sind bereits zwei Drittel aller vor 1990 erbauten Gebäude abgerissen. Nach anfänglicher Gegenwehr hat sich auch die evangelische Kirchengemeinde St. Paulus mit dem Abriss ihrer Kirche einverstanden erklärt. Im Gegenzug baut der Hauptsponsor der Stadt das 52 Meter hohe Red Bull Church and Enlightenment Center mit Platz für 1200 Besucher. Pastor Michael Wabbel zeigt sich begeistert: „Jetzt holen wir die Wise Guys und nicht St. Johannis! Und am Heiligabend müssen wir nur noch einen Gottesdienst geben.“
  • November – Das Programm „Boomtown Buchholz“, das in „Boomtown Bulltown“ umbenannt wurde, hat sich als gigantischer Erfolg erwiesen. Redbulltown ist zu dem deutschen Mekka für die Wirtschaft, besonders die Bauwirtschaft, und zu der deutschen Sportstadt avanciert. Die Errichtung der drei neuen Einkaufszentren im Zentrum hat die Kaufkraft aus dem Umland und dem südlichen Hamburg abgezogen. Die Einwohnerzahl hat sich binnen kurzem verdreifacht, der Einkommensschnitt der Bewohner vervierfacht. Geiger spricht von einem „Megaerfolg“.
  • Dezember – Der neue Sponsor von Red-Bull-Town organisiert als Dank an die Bürger ein Xmas-Mega-Marathon-Event, eine Dauerparty im überdachten Zentrum vom 1. Dezember bis Heiligabend, mit dem Redbulltown ins Guiness Buch der Rekorde kommt. Die City wird rund um die Uhr mit Techno beschallt, alle Besucher werden an den Einlasspunkten gratis mit zehn Dosen Red Bull versorgt und können auf zehn Tanzbühnen abhotten. Zum Abschluss des Events blickt der neue City-Manager Olaf Scholz (SPD), den der Sponsor aus der Vorstadt von Redbulltown abwerben konnte, auf ein „einzigartiges Jahr für Redbulltown“ zurück und kündigt an: „Das ist erst der Anfang! Im nächsten Jahr drehen wir richtig auf!“

Von Kristian Stemmler

Eigentlich ist es nicht üblich, dass Journalisten über Interna von Redaktionen schreiben, denen sie angehören oder angehört haben. Das wird gern als Nestbeschmutzung hingestellt. Dennoch möchte ich aus gegebenem Anlass mit dieser Regel brechen und am Beispiel zweier bürgerlicher Blätter, die dem Axel Springer Verlag (ASV) gehören bzw. von ihm beeinflusst sind, darlegen, wie der mächtigste Zeitungsverlag der Republik die öffentliche Meinung manipuliert: Diese Blätter sind das „Hamburger Abendblatt“ (HA) und die „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ (HAN) – im Kern geht es aber um ein anderes Springer-Blatt, dessen dubiose Rolle bei der Meinungsbildung dieses Landes hinlänglich bekannt ist, dessen Strategien und Mechanismen aber immer wieder analysiert werden sollten: die „Bild“-Zeitung.

Um das aufschlussreiche Fazit vorwegzunehmen Bei den HAN wird derzeit dasselbe Manöver gefahren, das das HA schon hinter sich hat. Angesichts sinkender Auflage wird ein neuer Chefredakteur installiert, der das Blatt auf Boulevardkurs bringt. Für die Redakteure und Redakteurinnen hat das in der Regel zur Folge, dass sie sich entweder anpassen oder gemobbt werden. Der Erfolg dieser Maßnahme ist allerdings mehr als zweifelhaft. Beim Abendblatt jedenfalls ist der Verlag später zurückgerudert. Inzwischen ist dort mit Lars Haider wieder ein Mann Chefredakteur, der selbst beim HA volontiert hat und meines Wissens nie für „Bild“-Produkte gearbeitet hat.

Aber der Reihe nach. Die „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ sind kein sehr großes, aber ein traditionsreiches Blatt. Die im Oktober 1844 gegründete Zeitung wurde wenig später vom Geheimen Kommerzienrat Georg Lühmann übernommen und machte sich einen Namen als „Die Lühmannsche“. Noch heute heißt der Verlag Lühmanndruck. Unter der Regie der Familie Schröter wurde die Auflage stark gesteigert und hielt u. a. Einzug in den Landkreis Harburg. Zu den Kolumnisten der HAN gehörte immerhin Herbert Wehner.

Seit Jahren jedoch kämpft das Blatt um seine Existenz. Von 1998 bis 2009 hat die HAN laut Wikipedia ein Drittel ihrer Auflage eingebüßt und liegt jetzt bei einer verkauften Auflage von rund 13.000 Exemplaren, erreicht damit täglich etwa 56.000 Leser. Der ASV hält an dem Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung von 24,8 Prozent. Die HAN berichten aus dem Bezirk Harburg und aus dem Landkreis Harburg. Die Mantelredaktion wurde 2004 aufgelöst, der Mantel kommt seitdem vom Abendblatt.

Trotz des Misserfolgs mit der Boulevardisierung des Abendblattes wird dasselbe unverdrossen bei der HAN versucht. Mit Joachim Peters wurde ein neuer Redaktionsleiter inthronisiert, der einen Boulevardkurs fährt, der bisherige Chef Thomas Oldach wurde degradiert. Wie in solchen Fällen üblich wurde im Impressum so getan, als hätte sich wenig geändert: Beide firmieren als Redaktionsleitung, Peters mit dem entscheidenden Zusatz: (verantwortlich). Tatsächlich ist er, wie zu hören ist, eindeutig der starke Mann in der Redaktion. Die Folgen sind, wie damals beim HA, deutlich zu erkennen. Die Boulevardisierung läuft vor allem über die reißerische Aufmachung und die Zeilen, zum Beispiel „Ashausen: Polizei fasst Feuerteufel“.

Was bei der HAN durchexerziert wird, wurde beim großen Bruder HA schon um die Jahrtausendwende herum ausprobiert. Da ich damals als Redakteur mit einem befristeten Vertrag in der Lokalredaktion des Abendblattes gearbeitet habe, habe ich das Alles aus der Nähe erleben dürfen.

In den 90ern war mit Peter Kruse ein vergleichsweise liberaler Mann Chefredakteur des HA geworden. Das Abendblatt galt im Spektrum der Springer-Blätter ohnehin als eher links (relativ gesehen), woran ich damals einen gewissen Anteil hatte. So stoppte das HA maßgeblich das so genannte „Betterpapier“, den Versuch des damaligen Bürgermeisters Henning Voscherau (SPD), die Bettler mit rüden Methoden aus der Innenstadt zu vertreiben. Auch sonst war es damals möglich, auf kritische Weise soziale Themen zu beleuchten, etwa den Umgang mit den Junkies vom Hauptbahnhof und das Aufkommen der Fixerräume, und auch die Stadtentwicklung kritisch zu reflektieren. So habe ich selbst in zahlreichen Beiträgen über die Gentrifizierung von Stadtteilen wie Ottensen und dem Schanzenviertel geschrieben.

Offenbar stieß den Verlagsoberen diese Liberalität sauer auf. Jedenfalls wurde Kruse 2001 kurzerhand abgelöst und durch einen „Bild“-Mann abgelöst: Menso Heyl. Der war zuvor seit 1998 schon als Lokalchef gegen Kruse aufgebaut worden, wo ich ihm in der zweiten Hälfte der 80er zum ersten Mal begegnet bin. Davor war er sechs Jahre lang Redaktionsleiter von „Bild Hamburg“ gewesen, hatte sich da die nötige Boulevarderfahrung geholt. Interessanterweise hat er bei der HAN volontiert.

Heyl war kein schlechter Journalist, aber er hatte persönlich eine kalte Ausstrahlung und es ging ihm letztlich nur darum, seine Linie durchzusetzen und zu liefern (also denen im Verlag und außerhalb, denen er sich verpflichtet fühlte). Ein beinharter Law-and-Order-Mann war er ohnehin. Heyl spielt eine Schlüsselrolle in der Kampagne für Ronald Schill, die dem verrückten Richter bei der Hamburg-Wahl 2001 fast 20 Prozent brachte, und den Wechsel in meiner Heimatstadt, die Übernahme des Senats durch Ole von Beust überhaupt erst ermöglichte. Ich gehe soweit zu behaupten, dass ohne die Kursänderung beim HA, von Beust nie Bürgermeister geworden wäre.

Fortsetzung folgt

DSC_8565Von Kristian Stemmler

Das einschlägig bekannte Maklerbüro „Dahler & Company“, dessen Tochterfirma DC Commercial wir den „Bunker“ (vulgo: Buchholz Galerie) verdanken, hat jüngst, wie der buchholzblog aus gut unterrichten Kreisen erfuhr, nämlich im Wochenblatt las, „Ladenkonzept und Kundenservice neu gedacht“. Diese Nachricht möchte ich den Lesern des blogs auf keinen Fall vorenthalten. Wenn ich wüsste, wie das geht, würde ich einen Flashmob organisieren, so möchte ich aber zumindest alle auffordern, sich die neuen fabelhaften Angebote im Laden der Dahlers anzusehen – Sie können das Geschäft nicht verfehlen, es ist repräsentativ an der Ecke der Galerie nahe Treffpunkt installiert worden.

In einem zweispaltigen Beitrag harft das Wochenblatt über „Deutschlands führenden Luxusimmobilienmakler“: „Tablets laden zur Selbstbedienung ein, auf 14 Bildschirmen präsentieren sich Traumimmobilien, Bewegtbilder sorgen für die optimale Präsentation der Objekte“. Was auch sehr interessant ist: „Die Neupositionierung mit der Nutzung von Digital Signage, dem Einsatz digitaler Werbe- und Informationssysteme konnte bereits in den ersten Wochen eine Steigerung der Wahrnehmung der Laufkunden vor Ort von ca. 50 Prozent erreichen.“ Das ist doch schön!

Mit dem Testshop, so teilt das Wochenblatt dem geneigten Leser mit, geht „Dahler & Company“ den Schritt „in Richtung Zukunft, wo vor fast 20 Jahren die erste Filiale des Maklerunternehmens öffnete“. Und dann erreicht der Beitrag seinen Höhepunkt: „Die technische Ausstattung, eingebunden in das mit Holz gestaltete Interieur, das von einem mit Leder bezogenen Media-Desk durchkreuzt wird, knüpft darüber hinaus vor allem an die Sehgewohnheiten anspruchsvoller Konsumenten an.“ Das ist ja schon fast Lyrik!

Falls Sie also ein paar Euros für ein Resort auf Mauritius oder eine Reetdachvilla in Bendestorf übrig haben, schauen Sie mal bei Dahlers vorbei. Denn: „Immobilieninteressierte können Platz nehmen und sich bei einem Kaffee oder Tee informieren und in den High-End-Bilderwelten schwelgen.“ Wenn das nichts ist!

Von Kristian Stemmler

Auf der Chaoskreuzung tut sich was. Heute vormittag hat ein Mitarbeiter der städtischen Verkehrsabteilung die problematische Verkehrsführung auf der Bendestorfer Straße/Ecke Hamburger Straße (der blog berichtete) erneut in Augenschein genommen. Der Sprecher der Stadt, Heinrich Helms, sagte dem buchholzblog, dass über Lösungen für die brisante Situation – seit Änderung der Verkehrsführung kommt es immer wieder zu Beinaheunfällen – nachgedacht wird. Dabei spielen auch die Fahrbahnmarkierungen eine Rolle, so Helms.

Wie berichtet, werden die Autofahrer auf der Bendestorfer Straße durch die Fahrbahnmarkierungen auf die Rechtsabbiegerspur geführt und die Geradeaus- bzw. Linksabbiegerspur ist durch gestrichelte Linien abgetrennt. Dadurch fahren immer wieder Autofahrer geradeaus statt rechts abzubiegen und es kommt zu Beinaheunfällen mit Kfz, die vorschriftsmäßig von der Geradeausspur in die Schützenstraße einfahren. Auf der Schützenstraße ist die Fahrbahnmarkierung korrekt, dort werden die Autos auf die Geradeaus bzw. Linksabbiegerspur geführt und die Rechtsabbiegerspur ist durch gestrichelte Linien abgetrennt.

Das Aufbringen neuer Fahrbahnmarkierungen auf der Bendestorfer Straße dürfte kurzfristig nicht zu machen sein. Für die Arbeiten – also das Abfräsen der Alten und Aufbringen der neuen Markierungen – muss das Wetter trocken sein. Bis diese Arbeiten ausgeführt werden könnten, ließe sich die Situation eventuell durch eine provisorische Beschilderung oder das Aufstellen von Signalleuchten entschärfen.

Goodbye Bücherkate! Was wird aus dem Gebäude?

Veröffentlicht: 2012-12-26 in Lokales
Schlagwörter:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Von Kristian Stemmler

Die „Bild-Zeitung“ wird gern als das Blatt der „kleinen Leute“ bezeichnet. Und auch wenn kaum jemand gern zugibt, Deutschlands auflagenstärkste Zeitung zu lesen, so sind es sicher überdurchschnittlich viele Angehörige der unteren Einkommensschichten, die das Revolverblatt goutieren. Darunter sind natürlich auch eine Menge ALG-II-Empfänger, was „Bild“ bekanntlich nicht daran hindert, diese Personengruppe gern in Bausch und Bogen als Schmarotzer hinzustellen. In ihrer Weihnachtsausgabe verarscht sie die ALG-II-Empfänger allerdings auf eine wesentlich subtilere Weise (und darum hat das Springer-Blatt die Ehre der Erste in der neuen blog-Rubrik „Verarscher des Tages“ zu sein).

Nur gute Nachrichten bringe man heute, schreibt das Boulevardorgan auf der Titelseite seiner Weihnachtsausgabe und listet darunter schon mal vier angeblich gute Nachrichten auf. Dass das Baby von Kate und William Diana heißen soll, wollten wir alle sicher unbedingt wissen. Auch dass der Tumor von Jan Fedder weg ist (was ihm persönlich zu gönnen ist). Und dann dürfen im Frontblatt „Bild“ natürlich die „Soldatengrüße aus Afghanistan“ nicht fehlen. Aber den Vogel schießt die Zeitung ab mit der Zeile „GELD 2013 Löhne, Renten und Hartz IV steigen“.

Das ist im Ergebnis eine zynische Verhöhnung aller ALG-II-Empfänger! Denn worüber wir reden, ist eine Erhöhung um ein paar Euros, die nichts besser macht und im Gegenteil den Betroffenen noch mal in aller Deutlichkeit vor Augen führt, dass man mit dem Regelsatz in keinster Weise auskommt. Angesichts des Zynismus, mit der die Ausgrenzung großer Bevölkerungsschichten vollzogen wird, kann man nur hoffen, dass im kommenden Jahr erst in diesem Bundesland und dann im Bund ein Politikwechsel stattfindet. Ob mit einem Kanzler Steinbrück mehr Gerechtigkeit einzieht, muss aber derzeit noch dahin gestellt sein.

Von Kristian Stemmler

Endlich! Endlich nehmen die beiden großen Kirchen das Thema auf die Agenda, das theologisch ihr ureigentliches Thema ist: die soziale Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft, die zunehmende Spaltung, die Folge einer brutalen Segregationspolitik der Eliten ist! In ihren traditionellen Weihnachtsansprachen haben sowohl der führende Geistliche der katholischen wie der führende Geistliche der evangelisch-lutherischen Kirchen ungewohnt deutliche Worte zum Auseinanderdriften der Gesellschaft gefunden. Nicht zufällig forderte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Kirchen fast zeitgleich zu mehr Zurückhaltung in politischen Fragen auf.

„Die Armen bleiben zurück und der Reichtum in der Hand einiger weniger nimmt weiter zu. Das ist eine gefährliche Entwicklung“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, wies in seiner Weihnachtsansprache darauf hin, dass Menschen hierzulande zunehmend ins Abseits gerieten und dauerhaft abgehängt zu werden drohten. Schneider: „Die Weihnachtsbotschaft fordert uns heraus, für diese Menschen die Stimme zu erheben und nach sozialer Gerechtigkeit zu suchen. Weihnachten ist das Fest der Hoffnung. Der Hoffnung wider alle Aussichtslosigkeit.“

Zollitsch betonte, wenn die soziale Schere so weit auseinandergehe, führe das zu Unruhe: „Wir sind der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet. Jeder Mensch braucht die Chance zu einem menschenwürdigen Einkommen.“ Die Menschen mit einem hohen Einkommen sollten stärker in die Pflicht genommen werden: „Steuererhöhungen und Abgaben für Vermögende dürfen kein Tabu sein, wenn es gilt, gesellschaftlich wichtige Aufgaben zu finanzieren..“ Wie gesagt: Ungewohnt deutlich Töne aus dem Munde des führenden katholischen Würdenträgers!

Schneider rief in seiner Botschaft auch zur Solidarität mit dem von der Euro-Schuldenkrise geschüttelten Griechenland und anderen europäischen Ländern auf. „Europa ist mehr als ein Wirtschaftsraum. Europa ist ein Friedensprojekt“, sagte er. Auch Nationen dürften nicht allein auf ihren materiellen Vorteil bedacht sein. Die Parteinahme für Griechenland ist mutig in einem Land, in dem Griechen-Bashing zu einem Volkssport geworden ist!

Die konservativen Eliten des Landes ahnen offenbar, dass sich der Wind gesellschaftlich drehen könnte. Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU-Politiker und „bekennender Protestant“, wie Medien schreiben, forderte die Kirchen zu mehr Zurückhaltung in konkreten politischen Fragen auf. Er sei „nicht immer glücklich damit, wenn Kirchenvertreter einseitige und als letztgültige Wahrheit proklamierte politische Botschaften verkünden“, wird Friedrich zitiert.

Da haben Sie wohl im Konfirmandenunterricht schon nicht aufgepasst, Herr Minister! Es ist die ureigenste Aufgabe, ja Pflicht der Kirchen den Mund aufzumachen, wenn die Rücksichtslosigkeit zunimmt und die Solidarität abnimmt, wenn das Gemeinwesen vor die Hunde zu gehen droht, weil wenige ihren obszönen Reichtum auf Kosten der großen Mehrheit leben, wenn der „Sanitätswagen“ mit den Kranken und Bedürftigen abgehängt wird.

Das „jüngste Gericht“ wird übrigens nicht denen angesagt, die irgendwelche moralischen Verfehlungen begangen haben, sondern denen, wie es bei Matthäus heißt, „die dem Geringsten unter meinen Brüdern“ (so Jesus) nicht geholfen haben. Auf deutsch: Alle, die von einer Ordnung profitieren, die ungerecht ist, die diese rechtfertigen und/oder befördern, machen sich schuldig. Da beißt die Kirchenmaus keinen Faden ab!

Forscher hatten zum Ende des Jahres vor einer sozialen Spaltung des Landes gewarnt. Die Mittelschicht ist in den vergangenen Jahren um mehr als fünf Millionen Menschen geschrumpft. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Bremen nimmt die Ungleichheit sowohl beim Einkommen als auch bei den Vermögen der Deutschen zu. Nur eine „Elite der Gesellschaft“ habe in den vergangenen Jahren ihren Wohlstand steigern können, berichteten die Forscher.

Es bleibt zu hoffen, dass die Vorstöße der Kirchenführer mehr als Lippenbekenntnisse sind. Angezeigt wäre eine Neuauflage des „Gemeinsamen Sozialwortes“ der EKD und der DBK von 1997, das damals die zunehmende soziale Spaltung thematisierte und an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig ließ. Zuletzt hatten sich führende kirchliche Kreise eher mit Unternehmerfreundlichkeit hervorgetan, hatten den Eliten nach dem Munde geredet. Das muss aufhören!