Buchholz‘ kleiner Einzelhandel – Schön, dass ihr (noch) da seid!

Von Kristian Stemmler

Das Wettrüsten hat begonnen! In der Buchholzer Innenstadt versuchen die etablierten Einzelhändler, sich mit Abwehrangeboten gegen die große neue Konkurrenz, die Buchholz Galerie, zu behaupten. Im City Center etwa wirbt das Schuhgeschäft mit Outletverkauf, in der Breiten Straße locken die Klammottenläden mit Rabatten („20 Prozent auf alles!“) und die Geschäfte der Neuen Straße halten mit einer Couponaktion dagegen, die im Nordheide Wochenblatt präsentiert wurde – pikanterweise in der Beilage, mit der die Galerie bejubelt wird.

Das zeigt, dass die Buchholzer Einzelhändler offenbar den Ernst der Lage begriffen haben. Ihnen scheint klar zu sein, dass die Galerie eine Sogwirkung entfalten kann, die ihre eigenen Umsätze auf breiter Front einbrechen lassen könnte. Nun laufen die Leute derzeit natürlich noch alle in die Shopping Mall, weil sie brandneu ist. Wie sich die Galerie aufs Gefüge des Buchholzer Einzelhandels tatsächlich auswirkt, wird sich erst feststellen lassen, wenn die „Flitterwochen“ vorbei sind.

Dennoch finde ich es mindestens ambivalent, wenn sich die örtliche CDU das Verdienst, die Buchholz Galerie in die Stadt geholt zu haben, ans eigene Revers heftet, weil die Entscheidung für das Shopping Center zufällig in die Zeit der CDU-geführten Mehrheit fiel. Ob das eine Entscheidung zum Wohl der Gemeinde war, muss sich nämlich erst noch herausstellen, Leute! Im Moment kann ich nur erkennen, dass die Politik den großen Ketten die Tür geöffnet hat und dass vermutlich nicht nur das komplette City Center über die Klinge springen wird, sondern auch noch etliche andere Einzelhändler.

Natürlich macht der heimische Einzelhandel derzeit noch gute Miene zum bösen Spiel, denn bekanntlich ist nichts geschäftsschädigender, als ins Gerede zu kommen. Da die Galerie nun mal da ist, hofft man offenbar, dass, wie es Politik und Verwaltung versprochen haben, das Einkaufszentrum mehr Kunden nach Buchholz zieht und diese auch noch in anderen Geschäften einkaufen. Sicher lässt sich kaum bezweifeln, dass die Galerie zusätzliche Kunden in die Stadt locken wird bzw. dass Buchholzer in der Galerie Einkäufe tätigen werden, für die sie sonst in Hamburg gefahren wären. Nur ist die Frage völlig offen, wie viele Kunden das sein werden – und vor allem steht in den Sternen, ob die dann wirklich etwa in die Neue Straße gehen.

Vor diesem Hintergrund finde ich die Stellungnahme von Wolfgang Schnitter, Chef der Buchholzer Wirtschaftsrunde, zum Thema Galerie im Wochenblatt doch ein wenig bedenklich. Dass die Nachfrage in Buchholz noch nicht gesättigt ist, wie er meint, mag ja sein. Aber den Hinweis auf mögliche Verdrängung durch die Galerie mit der lapidaren Feststellung zu kontern, in der Wirtschaft redeten doch immer alle von Wettbewerb, dann müsste sie sich diesem auch stellen – das halte ich nicht gerade für Lokalpatriotismus! Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Wirtschaftrunde die Interessen der Buchholzer Wirtschaft vertritt.

Im Moment ist noch Gesundbeten angezeigt. Hinter Schnitters Äußerungen steckt vermutlich die Überlegung, dass wir es hier mit einer unvermeidlichen Flurbereinigung zu tun haben. Einige Einzelhändler, die nicht mithalten können, gehen den Bach runter, aber die profilierten Spezialgeschäfte finden ihre Nischen und überleben. Mag sein, dass dieses Kalkül aufgeht – möglicherweise aber entfaltet sich die Sogwirkung der Galerie auch auf negative Weise, so dass am Ende nur die Galerie selbst und ein Kranz von Läden drumherum florieren. Und der Rest der Einzelhändler siecht dahin.

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