Buschkowsky ist überall – rassistische Hetze im Wochenblatt!

Von Kristian Stemmler

Seit einigen Tagen rangiert das rassistische Machwerk eines rechten Sozis namens Heinz Buschkowsky auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestenliste Sachbücher. Das ist offenbar auch für das Nordheide Wochenblatt das Signal, dass die Jagdsaison eröffnet ist. In der Ausgabe von Sonnabend öffnet das Blatt, das sonst immer gern liberal tut, alle Schleusen und sondert jede Menge rassistischen Müll ab.

Auf Seite 4 darf Redakteur Thomas Lipinski draufhauen. In seinem Beitrag geht um eine Massenschlägerei zweier Großfamilien in Winsen, die vom Wochenblatt als südländisch bezeichnet werden, womit das entscheidende Stichwort, das auf den braven Bürger wie die Glocke auf den Pawlowschen Hund wirkt, schon gefallen ist. Die Assoziationskette ist klar: Südländer – Messer – Gewalt – kriminell – nicht integrationsbereit – also abschieben!

Und so kommt in Lipinskis Geschreibsel auch alles vor, was die gängigen Klischees bedient. „Einige Mitglieder der Familien sollen zusammengerechnet auf mehrere Jahrzehnte Gefängniserfahrung zurückblicken können“, schreibt er. Hintergrund der Schlägerei soll ein seit Jahren andauernder Zwist um Familienehre sein (auch ein wichtiges Stichwort!). Ein Messer und ein Samurai-Schwert seien im Spiel gewesen. Und natürlich darf auch der Verweis auf den laschen Staat nicht fehlen, mit dem der Kollege den Beitrag eröffnet: „Das Erschreckende vorweg: Die vier Schläger, die am Montagabend im Luhe Park in Winsen wegen versuchten Totschlags festgenommen worden sind, befinden sich wieder auf freiem Fuß – mangels Haftgründen.“

Mit einem Kommentar, der im Ergebnis Wasser auf die Mühlen der NPD im Landtagswahlkampf ist, setzt Lipinski dem Ganzen die Krone auf. „Raus mit diesen Schlägern“ steht drüber, was bereits sehr nah an der Devise „Ausländer raus!“ ist. Sollte sich der Vorfall bewahrheiten, so der Kommentar, sei klar: „Bei diesen Imigranten ist die Integration gescheitert.“ Dass die Beteiligten ihre Differenzen in der Öffentlichkeit mit Fäusten und Waffen austrügen, zeige deutlich, dass sie sich in Deutschland nicht an die Spielregeln halten wollten.

Natürlich ist Lipinski klar, was er da macht, und er versucht der erwartbaren Kritik gleich die Spitze zu nehmen. Auf die Gefahr hin, als Rassist und Nazi beschimpft zu werden, müsse er doch konstatieren, dass „solche Leute“, wenn es rechtlich möglich sei, abgeschoben werden müssten. Auch zum Wohle der Ausländer, die sich integrieren wollten.

Wochenblatt-Chefredakteur Reinhard Schrader belässt es aber nicht bei dem Bericht über den Vorfall in Winsen, sondern rundet die rassistische Attacke mit zwei weiteren Geschichten ab. Das Ganze wird mit der Dachzeile „Ausländergewalt – wann sind die Grenzen der Integration erreicht?“ gebündelt. Aufmacher ist der Beitrag über die Winsener Schlägerei, darunter stehen zwei kürzere Beiträge, die auf ebenso unerträgliche Weise das Lied vom gewalttätigen und undankbaren „Ausländer“ singen.

Unter der Überschrift „Sonst gibt es etwas auf die Schnauze“ darf ein Handeloher Unternehmer dem Leser etwas vorjammern. Er habe einem Mann mit Migrationshintergrund im Rahmen eines Projektes der Grone Schule Buchholz ein unbezahltes Praktikum verschafft und sei von einem Bekannten des Mannes hinterher bedroht und um Geld angegangen worden. Am Fuß der Seite darf dann noch mal erwähnter Herr Lipinski zuschlagen. „Kioskbesitzer durchs Fenster geworfen“ steht über dem Beitrag.

Hier kommt wieder der „Südländer“ ins Spiel, der natürlich Mitglied „einer polizeibekannten Familie“ ist. Der Besitzer eines Kiosks in Winsen sei mit dem 17-Jährigen in Streit geraten, dieser habe darauf zwei Brüder zur Verstärkung geholt. Das Trio hätten ihn vor dem Laden gepackt, so der Bericht des Kioskbesitzers, in die Schaufensterscheibe gestoßen und auf ihn eingeschlagen. Er habe sich Schnittverletzungen, Prellungen und eine Platzwunde am Kopf zugezogen. Lipinski zitiert den Einzelhändler mit den Worten: „Diese Leute sind für mich Abschaum. Mit denen will ich nichts mehr zu tun haben.“

Mit dieser hetzerischen Kompilation von Vorfällen, die nichts miteinander zu tun haben, lässt es Schrader aber nicht bewenden. Auch der Seitenaufmacher auf der ersten Seite, der auf der Seite 3 fortgesetzt wird, hat mit dem Thema Migration zu tun. Auf den ersten Blick erscheint die Berichterstattung über einen Asylbewerber aus der Elfenbeinküste, der in Harsefeld auf der Straße lebt und sich angeblich nicht helfen lässt, ausgewogener und sachlicher, aber das täuscht. Erstens fragt man sich, was die Geschichte soll, und zweitens sind auch hier rassistische Untertöne nicht zu überhören.

Ob bewusst oder unbewusst: Gleich am Beginn des Beitrags werden unangenehme Assoziationen geweckt. „Er schläft jede Nacht im Freien, er ernährt sich von Abfällen und seine gesamte Habe passt in eine Plastiktüte.“ Dann wird auf Mitleid gemacht: Mit der Frage „Warum kümmern sich die Behörden nicht um den armen Mann?“ hätten sich Bürger ans Wochenblatt gewandt. Aber da könne man halt nichts machen, die Behörden könnten den Mann nicht zwingen, ins Asylbewerberheim zu gehen.

Mit einer ebenso rassistischen wie abgeschmackten Anspielung krönt der Kollege (oder die Kollegin) ihr Geschreibsel. Im vierten Absatz heißt es: „Den Schwarzen Peter will sich Harald Polter, Ordnungsamtsleiter im Harsefelder Rathaus, aber nicht zuschieben lassen.“ Natürlich würde die Redaktion darauf verweisen, dass „Schwarzer Peter“ nur eine Redewendung ist und man den Bezug gar nicht bemerkt habe. Aber, liebe Kollegen, ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen: Das war Absicht und einige haben sich darüber totgelacht!

Herr Schrader, wenn Sie so eine rassistische Hetze absondern, dürfen Sie sich nicht wundern, dass das Wochenblatt von vielen ernstzunehmenden Multiplikatoren in Politik und Gesellschaft des Landkreises immer wieder als „Bild-Zeitung für Arme“ gesehen wird. Wobei ich leider davon ausgehe, dass Ihr Vorgehen und Ihre Thesen bei diesem Thema bis weit ins Bildungsbürgertum hinein auf Beifall stoßen dürften. Der Erfolg von Sarrazins und Buschikowskys Machwerken spricht da ja Bände.

Dass Menschen mit Migrationshintergrund Straftaten begehen, dass Integration nicht immer gelingt und dass bestimmte Ethnien in bestimmten „Branchen“ der organisierten Kriminalität überrepräsentiert sind, das lässt sich schwer abstreiten. Aber das ist nicht der Punkt. Zum einen gibt es genauso viele Deutsche, die kriminell sind, nur dass die sich mit Kleinkriminalität meistens nicht zufrieden geben, sondern die richtig lukrativen Geschäfte übernehmen.

Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer: Hier wird ganz offensichtlich ein Phänomen zum gesellschaftlichen Problem Nummer eins hochgeschrieben – und die strategische Absicht dahinter ist unverkennbar. Die Diskussion über das Thema Migration und Integration lenkt wunderbar ab vom eigentlichen Skandal in diesem Land: von der vorherrschenden Politik der sozialen Segregation und der zunehmenden Marginalisierung und Stigmatisierung von Armen, Kranken und Alten. Und es lenkt im Sinne der uralten Sündenbock-Mechanismen die Aggressionen der Marginalisierten auf Menschen, denen es noch dreckiger geht.

Das ist wirklich nichts Neues: Die Herrschenden hetzen die Unterdrückten aufeinander und lachen sich ins Fäustchen. Und willfährige Helfer bei dieser Strategie sind die bürgerlichen Medien. Das Verhalten des Wochenblattes passt da ins Bild, denn diese Zeitung steht ganz auf der Seite seiner Finanziers, der Anzeigenkunden in der Wirtschaft, und auf der Seite von deren wohlhabenden Kunden in Buchholz, Bendestorf und Jesteburg. Wes‛ Brot ich ess‛, dess‛ Lied ich sing!

Angesichts der Ausfälle gegen Migranten halte ich es für verständlich, dass das Wochenblatt meine Presseerklärung, in der ich als Ratsherr der Partei DIE LINKE die Stadt Buchholz aufgefordert habe, den Berufssänger Prosper-Christian Otto wegen seines NS-Vergleichs (eigener Beitrag im blog) anzuzeigen, nicht zur Kenntnis genommen hat. Wenn man im Blatt rechtspopulistische Ansichten propagiert, macht es sich vermutlich nicht so gut, eine Seite weiter über Vergleiche mit der Nazizeit zu berichten.

Wobei sich das Wochenblatt damit auch journalistisch ein schlechtes Zeugnis ausstellt: Denn da es um eine offizielle Anfrage an die Stadt geht, ist das ein Vorgang, der zumindest hätte vermeldet werden müssen. Es zeigt sich erneut, wie schädlich die Stellung des Wochenblattes als Quasi-Monopolist im Landkreis Harburg ist!

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4 Comments

  1. Auch ne Meinung. Für mich sind die wahren Asozialen die Leute, die abkassieren, bis der Arzt kommt, und mit einer Unterschrift kaltlächelnd 500 Leute rausschmeißen oder 2000 Stellen abbauen etc. pp.

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  2. Ich glaube kaum, dass die Integrationsversuche sehr weit gediehen sein können, wenn in Berlin 50% aller Türken und 70% aller Libanesen von Hartz IV leben. Ich glaube auch nicht, dass der Staat für den Einzelnen da ist. Zunächst müssen aller erst mal für sich selbst sorgen und den anderen nicht auf der Tasche liegen. Einen Karren, auf den zu viele sitzen, wird niemand ziehen wollen.

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  3. Das ist ja der Trick: das Aufspalten in gute und schlechte Ausländer. Im Ergebnis wird das Problem hochgekocht und der Rassismus und die Ausländerfeindlichkeit insgesamt werden forciert.

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  4. Sehr einseitige Sichtweise. Ich glaube, die meisten Bürger haben kein Problem mit Ausländern die auch nur ansatzweise versuchen sich in unserem Land zu integrieren, ein selbstbestimmtes Leben zu führen oder unser Bildungssystem zu nutzen um ein gute Ausbildung zu erhalten. Der Wochenblattkommentar bezieht sich nicht auf diesen Personenkreis, sondern auf jene die unseren Solzialstaat nur ausnutzen und nebenbei noch die restliche Bevölkerung terrorisieren wollen. Solche Personen abzuschieben, halte ich für legitim.
    Deshalb auch nur einen Stern vom mir.

    mecsk

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