Krieg in den Jobcentern – Sachbearbeiterin in Neuss erstochen

Von Kristian Stemmler

Der Krieg gegen die Marginalisierten fordert seine Opfer. Heute ist im Jobcenter Neuss eine 32 Jahre alte Sachbearbeiterin von einem arbeitslosen Mann erstochen worden. Ganz unabhängig von den persönlichen Motiven, die in diesem Fall eine Rolle spielen werden, lässt sich eines festhalten: Die systematische Ausgrenzung von immer mehr Menschen in diesem Land lässt den Druck im Kessel steigen, führt zu Aggressionen und wachsender Gewalt und immer wieder zu Explosionen an den Orten der Demütigung, den Jobcentern. Deren Mitarbeiter müssen die Folgen einer brutalen Segregationspolitik tragen!

Ausgerechnet heute berichtete die hiesige Presse über die Angriffe auf Mitarbeiter der Hamburger Jobcenter. Seit Jahren steige die Zahl der Übergriffe in den Ämtern und Behörden, allein 2011 habe die Gewalt gegen Beamte und Angestellte der Hansestadt um 25 Prozent zugenommen. Etwa die Hälfte der fast 1600 Angriffe auf Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung, nämlich 751, trafen Mitarbeiter der Jobcenter. Die Täter seien zum Beispiel mit Stühlen, Regenschirmen und Stiften auf die Beschäftigten losgegangen, bedrohten sie mit Klappmessern, Schlagstock und Pfefferspray. Zwölf Mitarbeiter der Verwaltung wurden in 2011 schwer verletzt.

Vor diesem Hintergrund muss die Tat von Neuss als Fanal gesehen werden! Aber genau das wird nicht passieren. Man wird den tödlichen Angriff als persönliche Tragödie interpretieren, auf die Lebensumstände des Täters abheben und eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in den Jobcentern führen. Natürlich wird der Fall von interessierter Seite auch genutzt werden, um mehr oder weniger unterschwellig ALG-II-Empfänger erneut zu stigmatisieren und als gescheiterte Existenzen hinzustellen, die ihre Aggressionen nicht in den Griff bekommen und der Allgemeinheit die Schuld für ihre Unfähigkeit geben.

Die bürgerlichen Politiker und ihre Stichwortgeber und Lautsprecher in den Medien haben kein Interesse, die gesellschaftlichen Ursachen der Gewalt in den Jobcentern aufzudecken. Das würde bedeuten, die Umverteilung von unten nach oben, von der gerade der Entwurf zum vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beredtes Zeugnis abgelegt hat, in Frage zu stellen. Da hilft nur der Druck der Straße! Nicht nur in Spanien und Griechenland, auch in der europäischen Vormacht Deutschlands müssen die Menschen endlich auf die Barrikaden gehen!

Darum wiederhole ich hier meine Aufforderung: Kommt alle massenhaft am kommenden Sonnabend 12 Uhr zum Hamburger Rathaus, wo im Rahmen des bundesweiten Aktionstages „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ (www.umfairteilen.de) eine Menschenkette gebildet werden soll!

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