Eine Seite im Wochenblatt für einen Neonazi

Von Kristian Stemmler

Für eine Zeitung, vor allem für ein Anzeigenblatt, ist es natürlich nicht angenehm, eine Anzeige abzulehnen. Dennoch kommt das immer mal wieder vor, wobei besonders gern die Anzeigen linker Organisationen oder Parteien zurückgewiesen werden. Wenn was von rechts kommt, wird offenbar nicht so genau hingesehen. Jüngstes Beispiel: Eine Autowerkstatt im Gewerbegebiet wurde im Wochenblatt zu ihrem Jubiläum mit einer ganzen Seite abgefeiert – dabei ist der Betreiber der Werkstatt als Neonazi bekannt. So bekannt zumindest, dass er bei einer Veranstaltung im Februar im Gemeindehaus der St.-Johannis-Kirche öffentlich als solcher benannt wurde.

Natürlich hat eine Zeitung nicht die Verpflichtung, alle Anzeigenkunden auf ihre politische Einstellung hin zu überprüfen. Andererseits sollten bestimmte Informationen in einer relativ überschaubaren Stadt bei dem bedeutendsten Medium eigentlich bekannt sein. Hier kommt offenbar die unselige Buchholzer Tradition zum Tragen, dass man hier Probleme mit alten und neuen Nazis eher unter den Teppich kehrt, im Gegensatz etwa zu Tostedt, wo das schlecht geht, weil die Probleme zu offensichtlich sind.

Es wäre meines Erachtens Aufgabe des Leitmediums im Landkreis diese Szene mal mehr auszuleuchten. Dazu würde auch gehören, sich den betreffenden Werkstattbesitzer näher anzusehen. Mit relativ wenig Aufwand lässt sich in Erfahrung bringen, dass derselbe Mann bei einem großen Buchholzer Sportverein die Abteilung für Kickboxen leitet (was übrigens ins rechte Profil passt!).

Dieser Umstand erklärt vielleicht auch, meine Beobachtung beim Stadtfest. Ich meine am Stand dieses Sportvereins einen jungen Mann als Helfer gesehen zu haben, der mir aus einem bei der oben erwähnten Veranstaltung gezeigten Video erinnerlich ist. In diesem Video war er als Teilnehmer einer Nazi-Demo zu sehen und zwar mit einer Jacke, auf deren Rückseite „Buchholzer Kameradschaft“ stand, eine kleine Organisation der hiesigen Faschos. Dass Neonazis sich gern in Sportvereinen herumtreiben, ist kein Geheimnis. Obernazi Stefan Silar zum Beispiel hat Anschluss beim Todtglüsinger SV gefunden.

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