Arm dran vor der Galerie

Veröffentlicht: 2012-09-01 in Kommentare, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Arm dran ist die Devise in Buchholz, wenn mir dieses Wortspiel gestattet ist. Denn zum einen hat das Kind der Statue „Mutter mit Kind“ am Marktplatz seit kurzem wieder einen heilen Arm, der vom Fahrzeug eines Marktbeschickers  beschädigt worden war. Zum anderen ist diese Stadt arm dran, weil sie gerade dabei ist, ihre Seele an Konsum und Kommerz zu verkaufen. Denn die Statue ist natürlich vor allem deshalb jetzt repariert worden, weil die Renovierung der Fußgängerzone vor der Buchholz Galerie zum Start des Einkaufszentrums (und rechtzeitig vor dem Stadtfest) abgeschlossen sein soll. Buchholz rollt dem Konsum den roten Teppich aus oder genauer: den rotblaubunten Teppich, denn das ist die Farbe der Klinker, die auf beiden Seiten der Shopping Mall derzeit verlegt werden. Übrigens lässt sich die Stadt die Aufhübschung von Peets Hoff eine halbe Million Euro kosten, eine schöne Morgengabe für den Investor der Buchholz Galerie!

Irgendwie sind wir Konsumenten ja ganz schön blöd, oder? Da stehen die Passanten an den Absperrelementen beim Venezia und starren mit offenen Mund auf den Kasten, als würde das Licht des Orients von dort aufscheinen (wobei es auch immer mehr Leute gibt, die die Galerie für zu klotzig und überdimensioniert halten). Dabei ist dieser Bunker lediglich ein Stein gewordener Ausdruck dafür, dass andere Leute mit uns Kohle machen wollen! Man schaue sich mal die Seiten von Dahler & Company im Internet an, dem Immobilienhai, der das Ding ins Buchholzer Zentrum pflanzen darf. Was da für ein Luxus zelebriert wird, da wird mir schlecht!

Die Buchholz Galerie ist eine neue Shopping Mall mehr, hier entsteht eine hermetische Scheinwelt, in der wir allen möglichen Schrott kaufen sollen und dabei nach Möglichkeit unsere Alltagssorgen vergessen. Denn Konsum ist inzwischen ja das am weitesten verbreitete Betäubungsmittel. Der Vergleich mit einer Sucht ist nicht von der Hand zu weisen, denn viele Menschen brauchen inzwischen diesen Kick beim Shoppen, und sie rennen immer wieder hin, um das kurzlebige Gefühl zu wiederholen. Das sind ganz klar Suchtmechanismen!

Das Kind hat jedenfalls seinen Unterarm zurück und da bietet sich eine interessante Deutung an. Denn das Kind streckt den Arm ja aus (so wie das gestaltet ist, ist das für ein Kind eine etwas ungewöhnliche Geste, aber sei`s drum!) und deutet in Richtung Süden. Ziemlich genau in dieser Richtung liegt aber der Bahnhof der Stadt. Daher könnte man das so verstehen: Bloß weg hier, das ist keine Stadt mehr für Kinder! Konsum, Konsum, aber immer weniger Platz zum Spielen!

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