Warum die Kommunen nicht die Melkkuh der Sportvereine sein können

Von Kristian Stemmler

Das wurde aber auch höchste Zeit! Die Grünen haben im Buchholzer Stadtrat beantragt, die Richtlinie zur Gewährung von Investitionszuschüssen an Vereine, Verbände und sonstige Organisationen zu überarbeiten. Angesichts der wachsenden Begehrlichkeiten vor allem der Sportvereine muss die Kommune jetzt klare Kante zeigen!

Kernpunkt der beantragten Überarbeitung ist die Deckelung des kommunalen Zuschusses auf 50.000 Euro. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann diese Deckelung aufgehoben werden und zwar nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat. Dieser überfällige Schritt würde derartige Verschwendungen wie den Zuschuss für Arno Reglitzkys Kletterturm in der letzten Ratsperiode, für den Buchholz sage und schreibe 188.000 Euro zum Fenster rausgeschmissen hat, einen Riegel vorschieben.

Weiter soll nach dem Willen der Grünen in die Richtlinie hineingeschrieben werden, dass die in Frage stehende Investition „keine Gewinnerzielungsabsichten oder in erheblichem Umfang für den professionellen Sport nutzbare Ziele verfolgen“ darf. Priorität soll künftig die Förderung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben. Bauliche Investitionen sollen sich in das städtebauliche Gesamtkonzept einfügen (wobei man erst mal nach diesem Konzept suchen müsste…).

Als Ratsvertreter der Partei DIE LINKE begrüße ich diesen Antrag sehr, wobei ich noch als Zusatzantrag einbringen werden, dass Zuschüsse nur an Vereine gehen, die einen Sozialtarif für ihre Mitglieder eingeführt haben. Wie ich auch im Rat schon deutlich gemacht habe, halte ich es in Zeiten leerer Kassen nicht für die primäre Aufgabe der Kommunen, den Sport zu fördern. Die soziale Funktion des Sports ist unverkennbar, aber da muss im Einzelfall schon genau hingeguckt werden.

So kann es nicht angehen, dass die Kommune eine Flutlichtanlage für gut betuchte Tennisspieler finanziert. Auch halte ich es für völlig überzogen, an der Nordheidehalle für weit über 200.000 Euro Duschcontainer zu installieren, nur weil die Formationstänzer von Buchholz 08 angeblich nicht genug Platz zum Duschen und Umziehen haben. Mit Stirnrunzeln habe ich gelesen, dass auch die Fußballspieler von 08 schon Ansprüche angemeldet haben. Ich sehe es ebenso wenig ein, dass wir eine runde Million mehr ausgeben, damit Holm-Seppensen an der Mühlenschule eine Zwei-Feld-Halle bekommt.

Der Besuch des Heideblütenfestes in Holm-Seppensen am heutigen Sonntag hat mich in dieser Ansicht sehr bestärkt. Auf dem Sportplatz der Mühlenschule wurde in Sichtweite der Brandruine der alten Sporthalle der Brunsberglauf gestartet. Die Anmutung der Leute, die ich dort antraf, hat mir noch einmal klar gemacht, dass in Holm-Seppensen genug wohlhabende Personen herumlaufen, die eine Zwei-Feld-Halle locker sponsern könnten. Wenn sie wollen, dass ihre Kinder diese Halle bekommen, müssen sie halt mal was locker machen.

Man sah auf dem Platz viele gut gekleidete Leute mit wohlgeratenen Kindern, viele Jack-Wolfskin- und North-Face-Jacken, viele Typen mit dem selbstgefälligen Grinsen der Sieger im Gesicht. Natürlich kannte man sich, die Atmosphäre war familiär. Man hörte tiefgründige Konversationen wie die zweier Mütter: „Was macht denn Leon so?“ – „Du, der hat nächste Woche Tenniscamp und dann auch noch Fußballtraining, der ist so was von einspannt.“

Ich will nicht ungerecht sein, aber ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier hauptsächlich Leute herumlaufen, die sich für die Elite halten und es zum Teil vielleicht sogar sind. Leute, die gut verdienen, die zu einem großen Teil sicher Vermögen haben, geerbt haben. Und denen kann ich nur zurufen: Wenn Ihr mehr Zuschüsse für den Sport, wenn Ihr eine Zwei-Feld-Halle in Holm-Seppensen haben wollt, dann müsst Ihr Euch mal für höhere Steuern einsetzen, für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, für die Einführung einer Millionärssteuer usw.

Aber erst dafür sorgen, dass die Kommunen finanziell ausbluten und dann Subventionen für alles Mögliche verlangen – das geht nicht!

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2 Comments

  1. Lieber Christian,

    ich stimme Dir zu bei der Frage einer Deckelung von Zuschüssen zu Investitionen. Die weitere Kritik kann ich beim besten Willen nicht teilen. In Buchholz sind alle Sporthallen sehr gut ausgelastet. Im Winter kommt es dazu zu ständigen Engpessen bei den Trainingszeiten. Von daher plädiere ich eher dafür, in Holm-Seppensen eine 3-Feldhalle zu bauen. Ich finde es sehr erfreulich, dass in Buchholz so viele Menschen aktiv Sport treiben. Dazu werden nun einmal entsprechende Flächen benötigt. Tanzen ist soweit ich weiß, eine der mitgliederstärksten Sparten beim TSV Buchholz 08. Auch die Handball-Bundesliga spielt in der Nordheidehalle. Es mag bedauerlich sein, dass nicht von Anfang an mehrere kleine Umkleiden gebaut wurden, aber die Notwendigkeit ist vorhanden.

    Holm-Seppensen ist ein Teil von Buchholz. Die dortige Halle wird nicht nur von BürgerInnen aus Holm-Seppensen genutzt. Ich habe ja viel Sympathie für Deine Forderung, dass sich sehr wohlhabende BürgerInnen stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen sollen, zumal der Reichtum durch Mehrwertabschöpfung entsteht z.B bei Mieteinnahmen und Zinsen auf Kapital. Ein gutes Sportangebot kommt aber allen BürgerInnen zu Gute. Eine Flutlichtanlage für Tennis ermöglicht eben weitere Trainingszeiten und Tennis ist heute sicher kein Elitensport mehr.

    Besonders in den Vereinen wird eine Menge ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Mit dem Ausbau der Sportanlagen wird dieses Engagement gefördert und auch erweitert. Die hier entstehenden Kosten sind ein Bruchteil dessen, was später für nachträgliche Präventionsarbeit oder Resozalisierung bzw. Therapien ausgegeben werden muss. Durch Vereinssport werden Freundschaften geschlossen. Es wird gemeinsam gewonnen und verloren. Frusttrationstoleranz, Eingliederungsfähigkeiten in Gruppen, Verantwortung für andere, Zuverlässigkeit und viele andere wichtige Sozialkompetenzen werden hier erlernt und eingeübt. Ob es hierfür auch in Zukunft genug Raum gibt, möchte ich nicht davon abhängig machen, ob wohlhabende MitbürgerInnen diese für wichtig erachten.

    Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Sozialneid. Zu jeder Zeit gibt es Prestigeobjekte. Ob es nun Autos, Iphones oder Kleidung mit bestimmten Markennamen sind. Es ist nicht erkennbar, ob ein Mensch sich das Geld dafür vom Mund abspart, Second-hand kauft oder das Geld dafür einfach über hat. Sicher ist, das erfolgreiche Marken von dem Wunsch der Menschen nach Anerkennung, Respekt und sozialem Status profitieren. Nicht umsonst ist Apple die wertvollste Privatfirma zur Zeit. Der Schluss, das Menschen, die Markenkleidung tragen, deswegen auch eine eigene Sporthalle finanzieren sollen, geht nach hinten los. Ich kann als langjähriger Jugendtrainer sagen, dass gerade der Sport (was das Vorhandensein von angemessenen Sportstätten voraussetzt) die Möglichkeit zu einem kritischen Umgang mit teuren Markenartikeln ermöglicht. Somit wird umgedreht ein Schuh daraus. Baut mehr Sporthallen, dann ist durch geringere Vereinzelung das Sich-abgrenzen über Markenprodukte weniger wichtig.

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  2. Ich denke auch nicht, dass der Staat übermäßig viel Geld in private Freizeitgestaltungsmöglichkeiten stecken sollte aber die hier genannten Kriterien der Verteilung finde ich etwas seltsam. Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden aber einfach mal so in einen Ort gehen und Leute anhand ihrer Klamotten und einzelner Aussagen zu beurteilen, bzw. als „reich“ zu verurteilen, ist das nicht etwas zu einfach? Ich meine kann es nicht auch in diesem Holm-Seppensen Leute geben, die nicht soviel Kohle haben?

    Und wie genau haben alle Holm-Seppenser alle Kommunen finanziell „ausbluten“ lassen? Ich dachte, für sowas wären bei uns Politiker zuständig.

    In meinem Ort, der ein kleines Dorf ist, gibt es auch eine Sporthalle. Die wurde damals tatsächlich allein von den Bürgern finanziert, soweit ich weiss, denn der Ort war damals noch eigenständig. Es ist natürlich keine Riesenhalle, sondern eine, die angemessen ist für die Größe des Ortes. Sie gehört nach wie vor zu hundert Prozent dem Sportverein aber irgendwann in den Siebzigern wurde die Eigenständigkeit des Ortes aufgehoben – und seither gibts dann auch mal Zuschüsse aus der Steuerkasse, wenn irgendwas repariert werden muss oder so. Wäre der Ort noch eigenständig, gäbs gar keine andere Wahl als dass die Bürger sich selbst drum kümmern müssten. Vielleicht wäre mehr Eigenständigkeit und die Erhöhung der Zahl eigenständiger Kommunen die fairste Lösung, auch im Sinne Deines Problems in Holm-Seppensen?

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