Der 150. Beitrag im blog – ein Wort zum status quo

Veröffentlicht: 2012-08-17 in Hintergründe, Politik
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Dieser Beitrag ist der 150. Beitrag, der im buchholzblog seit dem Start Anfang Januar erscheint. Zur Feier des Tages will ich diesmal nicht selbst etwas schreiben, sondern den Gießener Gefängnispsychologen und Autor Götz Eisenberg aus seinem aufschlussreichen Buch „Amok – Kinder der Kälte“ zitieren. Eisenberg formuliert hier eine, wie ich finde, hervorragende Charakterisierung unserer Zeit, bezugnehmend auf den britischen Schriftsteller und Maler John Berger. Da dieser blog den Anspruch hat, neben der Berichterstattung und Kommentierung lokaler Ereignisse auch politische Analysen zu bringen und eine tiefgehende Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse zu transportieren, halte ich diesen Beitrag zum Jubiläum des blogs für angemessen – auch um einmal deutlich zu machen, aus welchem grundsätzlichen Gesellschaftsbild sich meine kritische Einstellung zu vielen Vorgängen speist. Hier also Eisenberg:

Die Welt, die wir kennen gerät aus den Fugen. John Berger sieht in einem berühmten Triptychon von Hieronymus Bosch, genauer, in dessen „Hölle“ betitelten rechten Teil, eine merkwürdige Prophetie des geistigen und kulturellen Klimas, „das sich dank der Globalisierung und der neuen ökonomischen Ordnung am Ende des Jahrhunderts über unser Welt stülpt“. Prophetisch sei dieses Bild nicht so sehr wegen der verwendeten Symbole und der vielen Details – so quälend und grotesk sie auch sein mögen -, sondern „wegen des Raumes seiner Hölle. Wir finden in ihr keinen Horizont. Es gibt keine Kontinuität zwischen den Handlungen, keine Pausen, keine Wege, keine Muster, keine Vergangenheit und keine Zukunft. Überall Überraschungen und Übersteigerungen, aber sie führen zu nichts. Nichts fließt, alles stockt. Als befände sich der Raum im Delirium“. Die Welt, wie die Nachrichten, die uns die Medien über sie vermitteln, verwandelt sich in ein Puzzle, dessen gestauchte Teile sich nicht ineinander fügen. „Jede der Figuren sichert ihr Überleben, indem sie sich auf ihre engsten Bedürfnisse konzentriert. Die Platzangst entsteht nicht durch Überbevölkerung. sondern weil zwischen einer und der nächsten Handlung nichts steht, das, beide berührend, eine Kontinuität herstellen kann. Und das ist die Hölle. Unsere Kultur ist vielleicht die Klaustrophobischste, die je existierte, es ist die Kultur der Globalisierung, die wie Boschs Hölle keinen Blick auf ein Anderswo oder Anderswie zulässt. Das Vorhandene“, sagt Berger am Ende seiner Interpretation, „schließt sich zum Gefängnis.“

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