Archiv für Juli, 2012

Von Kristian Stemmler

Seifert backt… nicht mehr! Der Bäcker hat seinen Betrieb in Hittfeld aufgegeben und damit auch seine Filiale im Buchholzer City Center geschlossen. Das ist nicht der erste und nicht der letzte Leerstand in dem eigentlich schon länger insolventen Einkaufszentrum und lässt angesichts der auf der anderen Seite des Marktplatzes erwachsenden Konkurrenz Böses ahnen. Wie ich bereits Anfang des Jahres geschrieben habe, dürfte das City Center die Eröffnung der Buchholzer Galerie nicht lange überleben.

Wie der buchholzblog aus Kreisen der Buchholzer Kaufmannschaft erfuhr, werden in den nächsten Monaten diverse Läden das City Center verlassen. Die Buchhandlung Heymann, neben Rossmann und Lidl der wichtigste Anlaufpunkt, wird wohl wegen eines laufenden Vertrages noch im Center bleiben, auch wenn die Kette in der Galerie eine Filiale eröffnet. Doch in etwa eineinhalb Jahren nach Ablauf des Mietvertrags wird Heymann wohl die Filiale im City Center schließen, vorausgesetzt das Center existiert noch so lange.

Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Eröffnung des großen dm-Drogeriemarktes in der Galerie auf Rossmann im City Center auswirkt. Generell muss davon ausgegangen werden, dass die Galerie eine Sogwirkung entfaltet. Die Leute fahren mit dem Auto direkt in den Konsumtempel, erledigen dort alles und fahren wieder nach Haus. Wie die „tageszeitung“ am 14. Juli berichtete, weisen Kritiker auf die Gefahr hin, dass Fußgängerzonen durch den Bau von Einkaufszentren in den Städten veröden. Genau das droht Buchholz.

Unter den kleinen Einzelhändlern und in der Buchholzer Bevölkerung wächst die Kritik an der Galerie. So ist zu hören, dass in der Shopping Mall die ewiggleichen Filialisten einziehen und man sich lieber eine bunte Mischung wie im Mercado in Hamburg-Ottensen gewünscht hätte. Auch die architektonische Anmutung der Galerie wird häufig kritisiert. Das Gebäude sei mindestens eine Nummer zu groß für die Buchholzer Innenstadt und wirke klotzig und fantasielos.

Dass an der Stelle, an der die Galerie entstanden ist, etwas passieren musste – darüber herrscht Einigkeit. Der lange Leerstand nach der Aufgabe des Edeka-Marktes war nicht förderlich. Aber ob die Entscheidung, DC Commercial freie Hand für den Bau eines Mega-Einkaufszentrums zu geben, sich für Buchholz wirklich als Segen erweist, wie Bürgermeister Wilfried Geiger euphorisch behauptet, muss bezweifelt werden. „Das Beste wäre gewesen, wenn media markt nicht ins Gewerbegebiet gegangen wäre, sondern hier gebaut hätte“, meint ein Einzelhändler, „dazu ein großer Edeka-Markt, das wäre die perfekte Ergänzung gewesen und hätte die Innenstadt nachhaltig belebt!“

Dazu ist es jetzt zu spät. Was jetzt noch getan werden kann: Stadt und Wirtschaft müssen sich zusammensetzen und darüber nachdenken, wie sie der Sogwirkung der Galerie entgegenwirken und dafür sorgen, dass die Fußgängerzone und die Neue Straße weiterhin frequentiert werden und nicht am Ende als Appendix des Konsumbunkers dahinsiechen.

Manche freilich

Veröffentlicht: 2012-07-29 in Hintergründe

Manche freilich müssen drunten sterben,

Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
Andre wohnen bei dem Steuer droben,
Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.

Manche liegen immer mit schweren Gliedern

Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
Andern sind die Stühle gerichtet
Bei den Sibyllen, den Königinnen,
Und da sitzen sie wie zu Hause,

Leichten Hauptes und leichter Hände.
Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
In die anderen Leben hinüber,
Und die leichten sind an die schweren
Wie an Luft und Erde gebunden:

Ganz vergessener Völker Müdigkeiten

Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
Noch weghalten von der erschrockenen Seele
Stummes Niederfallen ferner Sterne.

Viele Geschicke weben neben dem meinen

Durcheinander spielt sie alle das Dasein,

Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
Schlanke Flamme oder schmale Leier.

Hugo von Hofmannsthal

Von Kristian Stemmler

Von wegen Angsthasen! FDP-Zampano Arno Reglitzky hatte, nachdem die Mehrheit von Gruppe (SPD/Grüne/LINKE) und Buchholzer Liste im Verwaltungsausschuss kürzlich das Bürgerbegehren zum Ostring zurückgewiesen hatte, geunkt, da habe wohl jemand Angst vor dem Votum der Bürger. Wie sich jetzt zeigt, ging es tatsächlich nur darum, dass die Begründung des Bürgerbegehrens den rechtlichen Anforderungen nicht genügte. Nachdem die Antragsteller Marion Riebesehl, Timo Hanke und Michael Kreidner hier nachgebessert haben, ist dieser Einwand entfallen. Und so hat, wie der Pressesprecher Stadt Buchholz, Heinrich Helms, jetzt mitteilte, der Verwaltungsausschuss das Bürgerbegehren einstimmig durchgehen lassen.

Die Buchholzerinnen und Buchholzer könnten womöglich schon im Januar zu den Urnen gerufen werden, um über das Schicksal der Verträge zur Planung und zum Bau des Ostrings abzustimmen, schreibt Helms. Bürgermeister Wilfried Geiger nutzte natürlich prompt die Gunst der Stunde, um das Bürgerbegehren als Votum für oder gegen den Ostring zu verkaufen, was es ja eigentlich nicht sein darf, weil ein Bürgerbegehren über planfestgestellte Vorhaben nicht zulässig ist. „Ich freue mich sehr, dass der VA einstimmig die Entscheidung in dieser Frage in die Hände der Bürgerinnen und Bürger legt“, wird Geiger zitiert.

Für Geiger sei das Bürgerbegehren eine „einmalige Chance, einen jahrzehntelangen Streit endlich beizulegen“. Seit mehr als 40 Jahren beherrsche und belaste die Debatte um den Ostring die Verkehrspolitik der Stadt. Regelmäßig hätten zur Kommunalwahl die Mehrheiten im Stadtrat gewechselt. Mal seien die Befürworter, mal die Gegner der Umgehungsstraße am Ruder gewesen. Die Stadt habe sich in dieser Zeit allerdings weiter entwickelt und brauche eine verlässliche Antwort auf die Zunahme des Verkehrs.

Geiger: „Jetzt können die Buchholzerinnen und Buchholzer ein für alle Mal eine Entscheidung fällen.“ Mit dem Hinweis auf die Zunahme des Verkehrs macht der Bürgermeister natürlich wie gehabt in unzulässiger Weise Stimmung für den Ostring und zeigt ganz eindeutig, welches Votum er von seinen Untertanen erwartet.

 Die Antragsteller Marion Riebesehl, Timo Hanke und Michael Kreidner können jetzt anfangen, die für das Begehren notwendigen 3200 Unterschriften zu sammeln. Erst wenn diese Bedingung erfüllt ist – die Initiatoren haben dafür maximal sechs Monate Zeit – kann der Bürgerentscheid starten. Der Antrag für ein zweites Bürgerbegehren zum selben Thema wurde vom VA übrigens einstimmig für nicht zulässig erklärt, kann aber auch noch nachgebessert werden.

Von Kristian Stemmler

So sieht es also aus, wenn ein Duracellhase Amok läuft. Buchholzens führender Autofetischist Arno Reglitzky, auch FDP-Fraktionschef im Stadtrat, schlägt in einer Erklärung zu seinem Lieblingsthema – dem Ostring – wild um sich. Dass ich ihn vor einiger Zeit in diesem blog wegen seiner erkennbaren Umtriebigkeit als Duracellhasen bezeichnet habe, scheint er sich gemerkt zu haben. Er schlägt nämlich zurück und nennt die Ostring-Gegner „Angsthasen“, weil sie nicht mit Jubelschreien auf das eingebrachte Bürgerbegehren zu dem umstrittenen Projekt reagiert haben.

Die Scheinheiligkeit der Ostring-Gegner sei nicht mehr zu überbieten, schreibt Reglitzky, und deriliert von „kampagnen-artig losbrechenden Aktionen“ gegen das Bürgerbegehren. Das ist schon deshalb ziemlich komisch, weil die Befürworter der Umgehung – voran die Wirtschaftsrunde – mithilfe des Wochenblatt Verlages vor einiger Zeit komplett einseitig für den Ostring Stimmung gemacht haben. Dann kann ich auch nicht erkennen, wieso es eine Kampagne sein soll, wenn der Verwaltungsausschuss seiner Pflicht nachkommt, das eingereichte Bürgerbegehren auf seine Rechtmäßigkeit hin abzuklopfen.

Deshalb hier noch mal zum Mitschreiben. Der Landkreis Harburg, den man nun wahrlich nicht zu den Ostring-Gegnern rechnen kann, hat in einem Schreiben vom 6. Juli an den Buchholzer Bürgermeister Wilfried Geiger festgestellt: „Zweifelhaft ist, ob die Begründung des Bürgerbegehrens den Anforderungen genügt. Zwar dürfen an die Begründung keine hohen Anforderungen gestellt werden. Die Begründung muss allerdings die entscheidenden tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte ansprechen und aus sich heraus verständlich sein. Die mir vorgelegte Begründung stellt lediglich den angegriffenen Ratsbeschluss und die Folgen des Abstimmungsverhaltens dar.“

Angesichts dieser Expertise war der Verwaltungsausschuss gut beraten, die Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens festzustellen. Das heißt ja keineswegs, dass das Begehren gestorben ist, denn die Antragsteller erhalten die Gelegenheit, den Text nachzubessern. Zudem ist ja ohnehin gerade ein zweites Bürgerbegehren zum Thema Ostring aufgetaucht, dass Pirat Arne Ludwig im Auftrag der Antragsteller überbracht hat, und das offenbar etwas genauer in der Begründung ist. Da muss nach Aussage der Stadt sowieso geprüft werden, ob die beiden Bürgerbegehren nicht zusammengeführt werden können.

(By the way: Ich finde, dass es eine tolle Idee ist, noch ein Bürgerbegehren zum Ostring einzureichen, und kann nur alle Buchholzer auffordern, weitere Begehren zum Thema zu formulieren – je mehr, desto besser! Das steigert die Verwirrung!)

Aber im Ernst: Es ist ein absolut durchsichtiges Manöver, wenn CDU und FDP jetzt den Ostring-Gegnern vorwerfen, Angst vor der Meinung der Bürger zu haben, wie Reglitzky schreibt. Dass dieser Vorwurf kommen würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche, denn dies ist offenbar der tiefere Sinn des ganzen Manövers: die Ratsmehrheit vorzuführen und die Bevölkerung gegen die Ratsmehrheit auszuspielen! Seien wir doch mal ehrlich: Das Bürgerbegehren ist der letzte Trumpf von Konservativen und Liberalen, die einzige Chance, das Thema überhaupt noch am Kochen zu halten. Oder sollte man sagen: ihr letzter Versuch, eine Leiche zu reanimieren.

Niemand spricht Arno Reglitzky seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung ab, aber seine Erklärung zeugt von intellektueller Schlichtheit. „Was ist nur so böse daran, die Meinung der Bürger in einem geordneten Verfahren einzuholen?“, fragt er mehr als naiv. Das Bürgerbegehren sei „ehrlich und rechtens“ und es sei „einfach peinlich“, dass hier offensichtlich Bürger mit juristischen Tricks mundtot gemacht werden sollen. So kennen wir den Duracellhasen – durch sein schnelles Hin- und Herrennen und das laute Klappern fegt er alles vom Tisch und übertönt alle Zweifel.

Wenn er dann auch noch Martin Dieckmann von der Buchholzer Liste als „Anwalt aus der zweiten Reihe“ diskreditiert, dann ist das lächerlich, polemisch und dreist. Dieckmann hat sich bisher als sachlich kompetenter und kenntnisreicher Jurist präsentiert und hat auch in diesem Fall die Schwächen des Textes der Antragsteller exakt und absolut plausibel herausgearbeitet. Aber die Stellungnahme der Buchholzer Liste zum Thema geht offenbar über den intellektuellen Horizont des FDP-Fraktionschefs hinaus.

Damit auch Liberale und Konservative verstehen, worum es hier geht, möchte ich versuchen, die Stellungnahme in verständlichen Worten wiederzugeben. Wie mehrfach berichtet, kann es über den Bau des Ostrings an sich ja kein Bürgerbegehren geben, weil Begehren über planfestgestellte Vorhaben nicht zulässig sind. Dieses Verbot umgehen die drei Antragsteller, indem sie einen Ratsbeschluss, der den Ostring berührt, zum Inhalt des Bürgerbegehrens machen. Die genaue Frage, über die abgestimmt werden soll, heißt: „Soll der Beschluss des Rates der Stadt Buchholz vom 17. April 2012, der zum Ziel hat, den Bau des Ostrings durch Aufhebung der Verträge mit dem Landkreis Harburg zu verhindern, aufgehoben werden?“

Für die BuLi ist diese Fragestellung „widersprüchlich und vieldeutig“. Hier solle „durch die Hintertür der Ostringbau selbst zur Abstimmung gestellt werden“. Das sehe ich ganz genauso und aus meiner Sicht ist das der entscheidende Punkt: Der „geschickt eingebaute Teilsatz“ – damit ist die Formulierung gemeint: „der zum Ziel hat, den Bau des Ostrings durch Aufhebung der Verträge mit dem Landkreis Harburg zu verhindern“ – erweckt beim unvoreingenommen Bürger den falschen Eindruck, er stimme über den Bau des Ostrings ab.

Das kann er aber schon deshalb nicht, weil das Verwaltungsgericht Lüneburg den Planfeststellungsbeschluss aufgehoben hat. Eine Berufung ist nicht zugelassen, darum hat der Landkreis einen Berufungszulassungsantrag gestellt. Wie die BuLi schreibt, hat dieser aber wenig Aussicht auf Erfolg und darum bleibe es „sehr wahrscheinlich“ bei der Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses, woran auch ein Bürgerbegehren nichts ändert. Die Bürger in der Begründung des Begehrens auf diesen Sachverhalt hinzuweisen, sei „rechtlich geboten und politisch redlich“.

Für die Buchholzer Liste stellt der Vorstoß der Ostring-Befürworter nur einen „trickreichen Versuch der Störung bei der Umsetzung des Beschlusses der von einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger gewählten Ratsmitglieder dar“. Von einem Bürgerbegehren könne im übrigen nicht ernsthaft gesprochen werden, da offenbar die im Rat unterlegenen Fraktionen dieses Begehren initiiert und „Strohmännern“ zur Einreichung überlassen hätten. Die BuLi fordert dazu auf, zu der von allen beschlossenen Vorgehensweise zurückzukehren, nämlich gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten.

Aber da ist der Duracellhase vor. Für uns Arno ist „Mobilitätskonzept“ nämlich „ein modisches Schlagwort“, damit löse man keine Probleme. Der führende Autofetischist der Stadt verkündet: „Die naive Vorstellung, alleine nur durch bessere Radwege könne man die Bürger aus dem Auto locken, ist einfach kindlich.“

Das hat auch keiner behauptet. Beim Mobilitätskonzept geht es außerdem keineswegs nur um bessere Radwege, sondern auch um bessere Verkehrsführung, um den neuen Mühlentunnel, auch um eine Erweiterung der Fußgängerzone zum Beispiel, um einen besseren ÖPNV und und und. Wenn wir für Millionen und Abermillionen neue Straßen bauen, kommen wir der Fixierung auf das Auto jedenfalls nicht bei – das ist so, als würde man eine Wespenplage bekämpfen, indem man überall auf der Terrasse Pflaumenkuchen auslegt…

Jetzt auch in Buchholz: Mercedes abgefackelt!

Veröffentlicht: 2012-07-18 in Analysen, Politik
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Von Kristian Stemmler

Ob im Osten, ob im Westen, ein Mercedes brennt am besten! Der aktuellen Ausgabe der „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ entnahm ich, dass am Sonntagabend in Buchholz ein Mercedes C 200 in Flammen aufgegangen ist. Natürlich habe ich diese Nachricht mit Abscheu und Entsetzen zur Kenntnis genommen. Aber auch wenn ich nicht weiß, ob profane private Motive hinter der Brandstiftung stehen oder die Tat politische Hintergründe hat – eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Es war die richtige Marke!

Mercedes ist das Symbol von Reichtum und Luxus hierzulande. Diese Gesellschaft läuft hinter dem Stern aus Stuttgart her wie einst die drei Könige aus dem Morgenlande hinter dem Stern von Bethlehem. Mercedes ist das Symbol eines obszönen Luxus, den eine kleine Oberschicht ohne jedes Schamgefühl vor den Augen einer ausgegrenzten Minderheit und auf deren Kosten zelebriert. Vor den Augen von Geringverdienern und Ein-Euro-Jobbern, von hart arbeitenden und schlecht bezahlten Paketfahrern, Polizeiobermeistern und Postboten, von allein erziehenden Müttern in 400-Euro-Jobs, die nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht.

Zeige mir dein Auto und ich sage dir, wer du bist. In unserer Gesellschaft sind Kraftfahrzeuge seit jeher bevorzugte Statussymbole, in den letzten Jahren hat dieses Phänomen noch erheblich an Dynamik gewonnen. Ich denke hier besonders an die so genannten SUVs, die Sport Utility Vehicles, die in immer größerer Zahl auf unseren Straßen herumfahren. Sie sagen mehr über den Zustand dieser Gesellschaft, als den meisten Menschen bewusst ist. Nicht zufällig kamen diese Fahrzeuge parallel zum weltweiten Siegeszug des Kapitalismus auf. Niemand muss mehr seinen Reichtum verstecken!

Ihre optische Anmutung ist die eines Panzers. Sie wirken massiv, wuchtig, protzig, martialisch. Die SUVs sind Ausdruck der Brutalisierung der Gesellschaft, der zunehmenden Rücksichtslosigkeit und des Kampfes aller gegen alle, einer Brutalisierung, von der wir alle betroffen sind, deren Folgen wir alle unterschwellig spüren, die sich aber kaum jemand wirklich bewusst macht. Sie sind auch Ausdruck des Wunsches eines wachsenden Teils der Ober- und Mittelschicht sich abzugrenzen und ein instinktives Signal für ihr zunehmendes Schutzbedürfnis.

Denn irgendwie ahnen auch die, die ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben, dass dies so nicht gut gehen kann, dass niemand ungeschoren davon kommt, dass es sich rächt, wenn immer mehr Menschen ausgegrenzt werden, wenn die Gemeinschaft kaputtgemacht und geopfert wird. Dass es auf alle zurückschlägt. Es hat so gar keinen Sinn, sich in monströse Villen zurückzuziehen und sich in SUVs, über den anderen Verkehrsteilnehmern thronend, durch den Straßenverkehr zu bewegen – irgendwann muss man das Haus auch mal verlassen, irgendwann aus dem Auto aussteigen.

Deshalb sage ich: Sell Your car and join the resistance!

Von Kristian Stemmler

Leider ist der Naturschutzbund Nabu mit seiner Klage gegen Europas größten Schlachthof für Hühner in Wietze bei Celle vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg gescheitert. Das melden mehrere Medien. Das Gericht geht nicht davon aus, dass durch die Anlage unzumutbarer Lärm entsteht, die Grenzwerte für den Ammoniak- und Stickstoffausstoß würden nicht überschritten und die ausgestoßenden Bioaerosole durch eine Filteranlage gereinigt. Bei Lektüre der Begründung des Gerichts entsteht der Eindruck, dass zumindest die Belastung der Umgebung durch gefährliche Keime, vor der Experten warnen, nicht gesehen wird.

Der NABU hatte sich als Kläger gegen eine Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamt für den Betreiber des Schlachthofs, den Rothkötter-Konzern, gewandt. Begründung: Die Immissionsprognose sei unzureichend in Bezug auf den Anlieferverkehr, aber auch in Bezug auf den Betrieb selbst. Mikroorganismen und Bioaerosole würden austreten und ein nicht hinnehmbares Gesundheitsrisiko für die Anwohner darstellen. Die Schlachtleistung des Betriebes soll im Endausbau bis zu 27.000 Hähnchen stündlich betragen oder 2,592 Millionen Tiere wöchentlich.

Das Gericht verwies darauf, dass laut Schallgutachten vom Januar 2010 der erhöhte Verkehr nicht zu einer Überschreitung der maßgeblichen Werte führe, auch der durch den Schlachthof selbst erzeugte Lärm liege unter den Werten für eine Wohnbebauung. Auch der von der Behörde begrenzte Ammoniak- und Stickstoffausstoß werde nach einem Immissionsgutachten nicht überschritten.

Die ausgestoßenen Bioaerosole, nämlich luftgetragene Schadstoffe wie Stäube, Pilzsporen, Mikroorganismen, die sich nachteilig auf die menschliche Gesundheit auswirken könnten, würden durch eine spezielle Abluftreinigung zurückgehalten. Medizinisch begründete Immissionsgrenzwerte für Bioaerosole existierten nicht. In Tierhaltungsanlagen werden die Bioaerosole bestimmt durch Futterart, Einstreu, Tieraktivität, längere Reinigungsabstände, in dem Schlachthof hingegen sind die zu erwartenden Immissionen weitaus geringer, zumal die Anlagenkomponenten täglich gereinigt werden. Für eine besondere Keimbelastung beim Tiertransport selbst außerhalb des Schlachtbetriebes gäbe es keine konkreten Anhaltspunkte.

Von Kristian Stemmler

Ein-Feld-Halle oder Zwei-Feld-Halle, Mensa an der Halle oder separate Mensa? Bei der Sitzung des Ausschusses für Schule, Kinder, Jugend, Familie und Senioren am Montag stand die Situation an der Mühlenschule in Holm-Seppensen im Mittelpunkt. Dass es überhaupt zu den eingangs erwähnten Alternativen gekommen ist, daran ist das von einem bisher unbekannten Brandstifter gelegte Feuer in der Nacht zum 5. Mai schuld, bei dem die alte Sporthalle abbrannte. Nach einigen Verzögerungen sollte dort gerade die Mensa angebaut werden.

Neues Spiel, neues Glück. Die Leitung der Schule, der Sportverein und die Politiker von Holm-Seppensen nutzten die veränderte Situation, um brandneue Pläne zu präsentieren, die ihren Niederschlag in zwei interfraktionellen Anträgen des Ortsrates Holm-Seppensen an den Stadtrat fanden. Zum einen wird darin gefordert, den Bau einer Zwei-Feld-Sporthalle zu prüfen, zum anderen wird beantragt, die Mensa nicht mehr an die Halle anzubauen, sondern sie separat auf der Fläche des ehemaligen Schulleiterhauses, des so genannten Fiedler-Hauses, am Jungfernstieg zu errichten. Beide Anträge wurden im Ausschuss beschlossen, einer einstimmig, der andere bei einer Enthaltung.

Für den Bau einer Zwei-Feld-Halle spräche, so heißt es in der Begründung, dass sich die Einwohnerzahl des Ortsteils mittlerweile auf fast 7000 Einwohner erhöht habe. Die Sportflächenuntersuchung vor einigen Jahren habe bereits ergeben, dass Holm-Seppensen mit Sportflächen unterversorgt ist. Zudem könne der SV Holm-Seppensen seine Angebote mit einer Zwei-Feld-Halle deutlich erweitern.

Für die Abkopplung der Mensa von der Halle sprechen nach Ansicht der Beteiligten zwei Gründe. Eine Mensa am Jungfernstieg mit direktem Anschluss an die Schule sei besser zu nutzen, meinte Hannes Henk von der UWG. Ein Vorteil sei auch, dass umgehend mit Planung und Bau der Mensa begonnen werden könne, weil man nicht auf den Abriss der Ruine der abgebrannten Halle und den Baubeginn für die Halle warten müsse.

Schulleiterin Beate Trützschler machte im Ausschuss deutlich, dass es immer der Wunsch der Schule gewesen sei, die Mensa auf dem Gelände des Fiedler-Hauses zu errichten. Dieses sei ursprünglich abgelehnt worden, weil die Abrisskosten für das Gebäude zu hoch seien. Das Haus sei aber inzwischen abgerissen worden. Die Ausschussvorsitzende Uta Neb (SPD) zeigte sich überrascht von diesem Statement. Sie sei immer davon ausgegangen, dass die Schule mit dem Standort an der Halle einverstanden sei, die gewünschte Alternative sei offenbar in der Politik nicht angekommen.

Bei der Buchholzer Verwaltung stoßen die Wünsche der Holm-Seppenser nicht auf Gegenliebe. Der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, auch Schuldezernent, wandte sich sowohl gegen den neuen Standort der Mensa als auch gegen den Bau einer Zwei-Feld-Halle und erntete dafür den Unmut der anwesenden Mütter und Schulvertreterinnen. Er favorisiere nach wie vor eine Mensa direkt an der Sporthalle. Dies habe den Vorteil, dass die Mensa auch für Sportveranstaltungen geöffnet werden könne. Röhse sprach von „Synergieeffekten“. Er schlug eine Eineinhalb-Feld-Halle vor, die 15 Meter länger ist als eine Ein-Feld-Halle. Diese reiche völlig aus.

Röhse bat um Verständnis dafür, dass die Verwaltung noch auf ein Gutachten warte zu der Frage, welche Teile der Brandruine noch verwertbar seien. Das Gutachten, das eventuell zu Abstrichen bei der Versicherungsleistung führe, sei für August avisiert. „Erst dann können wir mit seriösen Planungen anfangen“, sagte der Erste Stadtrat und bat den Ausschuss, keine Entscheidung zu treffen, sondern die Anträge zurückzustellen, bis das Gutachten vorliegt.

Die Ruine werde in den Sommerferien abgerissen, weil die Arbeiten mit erheblichem Lärm verbunden seien. Von den ursprünglich im Haushalt für den Bau der Mensa eingestellten 346.000 Euro seien rund 100.000 Euro quasi verbrannt. Dies seien Kosten zum Beispiel für den Architekten, für Planung und Statik der Mensa, die von der Versicherung nicht ersetzt würden.

Schulleiterin Trützschler und die Organisatorin der „Mühlenstrolche“ (Nachmittagsbetreuung), Sonja Vent, machten im Ausschuss Druck. „Wir platzen aus allen Nähten. Wir haben 13 Klassen, aber nur zwölf Unterrichtsräume“, erklärte Trützschler und verwies auf 136 Anmeldungen bei derzeit knapp 300 Schülern. 90 Kinder müssten in vier Schichten verpflegt werden. Vent teilte mit, dass die „Mühlenstrolche“ bis Ende März in die Restaurationsräume der Campinganlage von Hannes Henk umziehen, und dankte Henk für das Angebot. „Es ist dringend und wichtig, das was getan wird“, betonte sie.

Silva Seeler (SPD) sprang den beiden zur Seite. Wenn die Mensa separat gebaut werde, sei es durchaus möglich, dass sofort ein Architekt beauftragt werde, der im August fertig sein könne. Dann könne sofort mit dem Bauen begonnen werden. Röhse erklärte, er sehe das Problem der „Mühlenstrolche“ durchaus, aber ob er wolle oder nicht: Planung, Kalkulation und das Einstellen der erforderlichen Mittel in den Haushalt bräuchten nun mal eine Zeit. „Wir wollen ja eine Halle und eine Mensa bauen, die 40 Jahre halten“, sagte er. Angesichts des Gegenwinds im Ausschuss und im Publikum meinte Röhse schließlich in einem Anflug von Galgenhumor: „Beschließen Sie das, dann bin ich den Stress los!“

Und so kam es dann auch. Die Zuhörer applaudierten erleichtert.