Wiederholung aus gegebenem Anlass: Ostern 2014 – Konsumieren und Schlemmen, bis der Arzt kommt

OsterdekoDieser Beitrag ist im buchholzblog vor zwei Jahren erschienen. Da er eher aktueller geworden ist (von Details abgesehen, die ich aber stehen gelassen habe), wiederhole ich ihn an dieser Stelle:

 

Von Kristian Stemmler

Zu Ostern zeigt sich wieder einmal, was diese Gesellschaft am besten kann: Konsumieren auf Teufel komm raus! Der Einzelhandel schießt in diesen Wochen aus allen Rohren. Osterhasen und Ostereier in allen Formen und Farben in den Schaufenstern, die Einkaufszentren ersticken in Osterklimbim, in den Discountern wird man von Türmen von Ostersüßigkeiten erschlagen. Keiner entgeht dem österlichen Overkill! Das höchste Fest der Christenheit verkommt immer mehr zu einem Konsumrausch ohne Beispiel und einer Fressorgie sondergleichen. Den Vogel hat der Discounter Lidl abgeschossen, der unter der angesichts der Kundschaft dieser Kette mehr als zynischen Überschrift „Luxus für alle!“ in Prospekten Garnelen, südamerikanisches Roastbeef, Hirsch-Edelgulasch und ähnliches anbietet. Dieser Auftritt zeigt beispielhaft, worum es der großen Mehrheit geht: Ostern ist für sie nur noch ein Anlass zum Abfeiern.

Es zeigt sich, was das Gerede von der christlichen Leitkultur wirklich wert ist, und daran ändert die Tatsache, dass ein protestantischer Pfarrer ins höchste Staatsamt gewählt wurde, nicht das Geringste. Mit dem theologischen Inhalt des Osterfestes können immer weniger wirklich etwas anfangen. Auferstehung, was soll das?! In einer Gesellschaft, der ein entfesselter Kapitalismus gerade die Lebensgrundlage entzieht, in der die Familie, menschliche Beziehungen insgesamt im Kern attackiert werden, in dem immer mehr Menschen in einen hohlen Hedonismus fliehen, hat der Glaube ausgespielt.

Sagen wir es offen: Der Kapitalismus ist ein durch und durch materialistisches, auf den privaten Profit ausgerichtetes System, das alles angreift, was uns vom Arbeiten und Konsumieren ablenkt. Die Kirche hat mit ihren (noch) kostenlosen Angeboten und einer auf Metaphysisches zielenden Lehre, in Wirklichkeit in einem solchen System keinen Platz – es sei denn, sie passt sich an, was ja in Teilen der Kirche, vor allem der evangelischen, durchaus als gangbarer Weg gesehen wird.

Wenn die Kirchen aber ihren Auftrag ernst nehmen wollen, und dafür ist das Bibelwort „Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon“ zentral, dann müssen sie die Kräfte beim Namen nennen, die das Osterfest und die anderen christlichen Feste zerlegen und als Schmiermittel für den Konsum benutzen. Dann müssen sie die Konsumgüterindustrie und die ihr den Weg ebnenden Werber, ja unsere Form des Wirtschaftens insgesamt endlich als Gegner begreifen – eine friedliche Koexistenz kann es nicht geben!

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1 Comment

  1. Ich bin zwar kein Kirchenmitglied, stimme Dir aber zu. Wenn eine der letzten verbleibenden Großorganisationen weiter einen Platz in der Gesellschaft beansprucht, dann muss sie zu ihren Kernthemen von Gemeinde zurückkehren: Gemeinschaft, Schutz, Fürsorge und Identität. Begriffe wie Sünde und Vergebung helfen wenig und sind anachronistisch aus dem Mittelalter.
    Selbst die oft benutzen Wort Hoffnung und Glaube machen erst Sinn, wenn die Kirche endlich anfängt, diese nicht hinter realitätsfernen Begriffen wie „Gottes Gnade“ zu verstecken und sich damit der eigenen Verantwortung zu entledigen.
    Kirche bedeutet dann ganz praktisch Gemeinde. Aus der Aufgabe, die Gemeinschaft zu fördern und zu schützen wächst ihr die Notwendigkeit eines politischen Bewustseins und des politischen Handelns zu. Sie wird automatisch auch zur außerparlamentarischen Opposition und damit zu Kritikern jeglicher Form von Strukturen, die das Leben von Gemeinschaft zerstören.
    Deiner Globalkritik am Kapitalismus kann ich sicher nicht zustimmen, sprengt aber den Artikel hier. Auf jeden Fall aber muss die Kirche, will sie glaubhaft sein, immer ein Stachel im Fleisch des unregulierten Kapitalismus sein.

    Das der Papst an einem so wichtigen Tag wie Ostern seine Kritik allein auf die Bedrohung durch den technischen Fortschritt beschränkt, während er selbst mit dem Elektromobil durch die Menge fährt, ist wieder einmal bedauerlich. Aber als Katholik kann man sich ja bekanntlich seinen Papst nicht aussuchen.

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