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Archive for Februar 2012

Kommt ein Mann zu Tchibo und sagt: „Haben Sie Kaffee?“ Sagt die Verkäuferin: „Nee, fragen Sie mal bei der Tanke!“

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Im Herzen von Buchholz steht ein Stein, an dem offenbar kaum jemand noch Anstoß nimmt. Tausende gehen jede Woche auf dem Marktplatz am Mahnmal für die deutschen Soldaten vorbei, die in den beiden Weltkriegen getötet wurden, aber wer registriert es wirklich noch? Man hat sich daran gewöhnt, dass es da ist, es gehört quasi zur Möblierung der Innenstadt. Traurig, aber wahr!

Im Rat der Stadt hat jetzt der linke Ratsherr und Betreiber dieses Blogs den Antrag gestellt, das Mahnmal in die Grünanlage nördlich des alten Friedhofs zu versetzen und an seiner Stelle eine Bühne für Open-air-Veranstaltungen zu bauen. Wenn die Stadt und die Geschäftsleute es wirklich ernst meinen mit der Modernisierung des Zentrums, gibt es dazu keine Alternative. Das Mahnmal mit dem wuchtigen und massigen Findling wirkt antiquiert und gestrig und konterkariert jede Absicht, dem Platz ein modernes, fortschrittliches, der Zukunft zugewandtes Gepräge zu geben!

Auch die Inschrift auf dem Findling „Den gefallenen Helden“, die sich auf der Tafel darunter für die getöteten Buchholzer Soldaten im Ersten Weltkrieg sinngemäß wiederholt, ist natürlich indiskutabel. Aber darüber kann und soll an anderer Stelle noch diskutiert werden. Wichtig ist jetzt, dass eine solche Diskussion überhaupt in Gang kommt und das Mahnmal nicht von interessierten Kreisen als sakrosant dargestellt wird.

Zur allgemeinen Information hier der Wortlaut des Antrags und der Begründung:

Der Rat der Stadt möge beschließen: Der Bürgermeister wird beauftragt, die Versetzung des Mahnmals auf dem Buchholzer Marktplatz zu veranlassen. Als neuer Standort ist die Grünanlage an der Friedhofsstraße nördlich des kommunalen Friedhofs vorzusehen. An die Stelle des Mahnmals wird eine Bühne für Open-air-Veranstaltungen gebaut, in die die vorhandenen Bäume zu integrieren sind.

Begründung: Das Gesicht der Buchholzer Innenstadt verändert sich in dramatischer Weise, vor allem durch den Bau der Buchholz Galerie und des Volksbank-Gebäudes. Im Zentrum soll nach dem Willen der Stadt ein modern anmutendes und günstiges Umfeld für den Konsum und den Aufenthalt geschaffen werden. Aufgabe der Stadtplanung wird es hier vor allem sein, dafür zu sorgen, dass der Sog, den ein großes Einkaufszentrum erfahrungsgemäß entfaltet, nicht dazu führt, dass die umliegenden Plätze weniger frequentiert werden. Das zentral auf dem Marktplatz errichtete Mahnmal mit dem dominierenden Findling konterkariert diese Absichten. Schon ästhetisch macht es durch seine Wuchtigkeit und unfreundliche Ausstrahlung jede Bemühung zunichte, dem Umfeld der Galerie ein modernes, fortschrittliches, der Zukunft zugewandtes Gepräge zu geben. (Dass die Inschrift auf dem Findling „Den gefallenen Helden“ und eine ähnliche Formulierung auf der Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg getöteten Buchholzer Soldaten die Gräuel der Weltkriege verharmlost und allein auf die militärischen, deutschen Opfer fokussiert, sei hier nur nebenbei erwähnt).

Eine Alternative zur Versetzung des Gedenksteins wäre die Errichtung eines zweiten Mahnmals neben dem vorhandenen Mahnmal gewesen, das an die Opfer des NS-Regimes erinnert. Hier wäre etwa möglich gewesen, auf einer Gedenktafel daran zu erinnern, dass Buchholz der Ausgangspunkt der Heidebahn ist und dass auf dieser Strecke Tausende KZ-Häftlinge transportiert worden sind. Die Stadt hält dies aber für „unangemessen“, da die Züge in Buchholz nur durchgefahren seien oder „außerfahrplanmäßig gehalten“ hätten (siehe DS 11-16/0078.002). In der Antwort auf die Anfrage heißt es weiterhin: „In der Verwaltung gibt es keine Erkenntnisse über Opfer der Nationalsozialisten, die in Buchholz wohnten und in einem KZ oder Gefängnis ums Leben gekommen sind.“

Ein geeigneter Ort für das Mahnmal ist die Grünanlage an der Friedhofsstraße nördlich des kommunalen Friedhofs. Hier kann in einer Atmosphäre der Ruhe und Abgeschiedenheit unter hohen Bäumen der Soldaten gedacht werden, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben ließen. An die Stelle des Mahnmals wird, das dahinter liegende Beet mit einbeziehend, eine Holzbühne gebaut, die die vorhandenen Bäume geschickt integrieren sollte. Auf dieser Bühne könnten ab Frühjahr Konzerte, Theaterimprovisationen, Straßenmusik, kleine Lesungen etc. stattfinden. Dies würde zur Belebung des Buchholzer Zentrums erheblich beitragen und die Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz erhöhen.“

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Von Kristian Stemmler

Wer sich einmal etwas näher angeguckt hat, für welche Zwecke die Stadt Buchholz zum Teil ihr Geld aus dem Fenster wirft, der kann über den Verlauf der ersten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Soziales (Wiso) am Montagabend nur den Kopf schütteln. Obwohl alle voll des Lobes für das Mehrgenerationenhaus (MGH) Kaleidoskop waren, drückten sie der Einrichtung am Ende einen Sperrvermerk über 10.000 Euro rein, der nach Ansicht der Mitarbeiter die Existenz der Einrichtung gefährden könnte. Armes Buchholz!

Für die, die noch nicht da waren: Das MGH ist ein sozialer Treffpunkt der besonderen Art. Es ist ein Ort der Begegnung für viele, der Hilfe und der Beratung, ein Ort die Generationen und Kulturen übergreifenden Austausches. Jeden Tag ist Leben in dem Backsteinhaus an der Steinstraße. Das Angebot reicht von Sprachkursen für ausländische Frauen über Trauergruppen für Kinder und Jugendliche, Beratung für ALG-II-Empfänger, ein Literaturfrühstück und ein Umweltcafe, Kochstudio und einen Gitarrenkurs bis hin zur Kinderbetreuung für Eltern, die einmal Zeit für etwas anderes benötigen. Rund 250 Besucher nutzen wöchentlich das Angebot des Kaleidoskop.

Das breit gefächerte Programm wird getragen von einem engagierten Team von zehn Frauen und einem Mann, die zum größten Teil ehrenamtlich tätig sind. Es gibt eine hauptamtliche Leitung, die zur Planung, Organisation und Koordination absolut notwendig ist. Leider ist das MGH trotz seiner Erfolge und des Anstiegs der Besucherzahlen um etwa 30 Prozent nicht in das entsprechende Programm der Bundesregierung aufgenommen worden, die Landesförderung lief 2011 aus. Kurz und gut: Der Trägerverein hat sich an die Stadt gewandt und um einen Zuschuss von 30.000 Euro für die Personalkosten gebeten, der im Wiso-Ausschus verhandelt wurde.

Wer anders als die FDP, die ja bekanntlich ein großes Herz für soziale Arbeit und natürlich besonders für die Beratung und Hilfe für sozial Benachteiligte und Migranten hat (Achtung, das war Ironie!) – es war die FDP, die in Person der Stadträtin und Bundestagsabgeordneten Nicole Bracht-Bendt am Antrag des MGH herummäkelte. Dass man mit Sponsoren zusammenarbeiten wolle, sei schön und gut, aber das hätte sie im Antrag schon etwas genauer gewusst. Die 30.000 Euro seien zudem „viel Geld“.

Viel Geld ist relativ, Frau Bracht-Bendt! Hier mal ein paar Beispiele, für was die Stadt so Geld ausgibt:

  • Die Verwaltung hat Mittel für die Sanierung des Heimatmuseums in Seppensen beantragt. In diesem Jahr mal eben 35.000 Euro für Brandschutz Wohnung/Elektroarbeiten, in 2013, 14 und 15 noch mal 165.000 Euro für weitere Arbeiten.
  • Für das Projekt eines Kunstrasenplatzes an der Grundschule Steinbeck sollen 25.000 Euro in den Haushalt eingestellt werden – und zwar nur für die Planung!
  • Die AG der Buchholzer Sportvereine will 22.000 Euro für die Sportplatzpflege haben.
  • Der Tennisclub Seppensen hätte gern 15.000 Euro für eine Flutlichtanlage (Nebenbemerkung: Soziale Brennpunkte müssen natürlich besonders gefördert werden…).
  • Der TSV Buchholz 08 hat beantragt am Holzweg, wo schon jede Menge Sportanlagen mit entsprechender Ausstattung existieren, ein Gebäude mit Sanitär-, Umkleide- und Aufenthaltsräumen zu bauen. Dafür beantragten sie schlappe 30.000 Euro Zuschuss, für ein Tanzparkett noch mal 6.800 Euro.
  • Für den Bau einer historischen Schmiede will der Geschichts- und Museumsverein Buchholz 60.000 Euro haben (um fair zu bleiben: Hier hat die Verwaltung geantwortet, es gäbe weitaus vordringlichere Aufgaben).

Die Liste ließe sich fortsetzen. Dass so viele Sportprojekte genannt sind, ist kein Zufall. Dem Sport wird Geld nur so hinterhergeschmissen. Keiner will bestreiten, dass Sportvereine eine soziale und integrative Funktion haben, dennoch dürften erfahrungsgemäß Mittelschichtfamilien deren Angebote überdurchschnittlich nutzen. Und in den genannten Vereine gibt es mit Sicherheit Mitglieder, die die genannten Summen aus der Portokasse zahlen könnten. Wie wäre es denn mal mit nach Einkommen und Vermögen gestaffelten Beiträgen?!

An der Steinstraße in Buchholz treffen sich aber Vertreter aller Schichten und ein Schwerpunkt liegt in Angeboten für Migranten und sozial Schwächere. Nach meiner Auffassung ist es die Aufgabe, um nicht zu sagen Pflicht der Kommune, hier besonders zu helfen und zu fördern – zehnmal mehr als bei den genannten Projekten! Und was macht der Wiso-Ausschuss? Er lässt sich von Frau Bracht-Bendt überfahren und stimmt mit großer Mehrheit dafür (nur der linke Ratsherr stimmte dagegen), die Bewilligung der 30.000 Euro mit einem Sperrvermerk über 10.000 Euro einzuschränken!

Bleibt nur zu hoffen, dass im Verwaltungsausschuss und im Stadtrat bei den Haushaltsberatungen am 24. Februar die Sache noch zurechtgebogen wird und Bracht-Bendts Sperrvermerk wieder rausfliegt! Alles andere wäre ein Armutszeugnis für diese Stadt!

 

 

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Von Kristian Stemmler

Es ist egal, von welcher Seite man sich Buchholz nähert – keiner entgeht den Tafeln und Schildern, auf denen in großsprecherischer Weise verkündet wird, in welch grandiose Stadt man soeben eintaucht. „Buchholz – die Sportstadt“, „Buchholz – die Kulturstadt“, „Buchholz – die Einkaufsstadt“ und so weiter! Es gibt eigentlich nichts, was Buchholz nicht ist. Dieses penetrante Eigenlob gleich am Ortseingang ist nicht nur peinlich, es ist vor allem so allgemein gehalten, dass die Bezeichnungen im Grunde inhaltslose Etiketten sind, die man so gut wie jeder anderen Stadt eben so gut anpappen könnte. Wenn die Stadt bei der Wahrheit bleiben wollte, fehlen außerdem ein paar Tafeln. Da könnte zum Beispiel drauf stehen: „Buchholz – Stadt des Größenwahns“, „Buchholz – Stadt der Bauwut“, „Buchholz – Stadt der Makler, Investoren und Spekulanten“ oder „Buchholz – Stadt des Konsumwahns“.

Vor allem ist Buchholz derzeit die Stadt der Bauwut. Niemand kann übersehen, dass sich das Stadtbild rapide verändert. Von morgens bis abends wird rangeklotzt, um die Stadt nach vorn zu bringen! Der Buchholz Galerie im Zentrum kann man beim Wachsen zusehen, ein Betonmischer nach dem anderen rauscht heran, die Kräne kreisen und die Rufe der Bauarbeiter fliegen hin und her, dass es eine Freude ist! Und auch auf der anderen Seite des Marktes wird auf Teufel komm raus Beton gemischt, da schießt das neue Volksbankgebäude in die Höhe. Und wer jetzt noch nicht genug von Baulärm und kreisenden Kränen hat, der macht noch ein paar Schritte durch den Rathauspark und genießt die Baustelle des „Wohnparks“ neben dem Rathaus. Ein Gebäude in postmoderner Brachialarchitektur übrigens mit einem albernen Bogen in der Fassade, bei dem ich mich frage, wer das Ganze genehmigt hat – direkt neben unserem schönen Backsteinrathaus so ein Kasten!

In der Buchholzer Verwaltung weiß man sich vor Glück gar nicht mehr zu lassen ob dieser atemlosen Bauaktivitäten. So jubilierte Kämmerer Dirk Schlüter bei der Einbringung des Haushalts im Stadtrat, Buchholz sei „die Stadt der Kräne“. Auch Bürgermeister Wilfried Geiger schlägt das Herz höher, wenn er die Betonmischer durch die Stadt düsen sieht, die Buchholz Galerie ist für ihn „ein großer Schritt nach vorn“. Und FDP-Zampano Arno Reglitzky ging bei einer Podiumsdiskussion im Gymnasium Am Kattenberge hoch wie eine Silvesterrakete, als ein Diskutant es wagte, die Buchholz Galerie als eine Nummer zu groß zu bezeichnen. Dieses Zentrum werde Buchholz so was von nach vorn bringen, delirierte Reglitzky vor den Schülern, vor allem die jungen Leute würden ihr Konsumglück in der neuen Shopping Mall finden. Leider gibt es auch bei den anderen Parteien, von den Linken mal abgesehen, kaum jemand, der den baulichen Aktivitäten und ihren stadtplanerischen Auswirkungen zumindest so etwas wie Skepsis entgegen bringen würde.

Das ist schade, denn es zeugt von einem nicht geringen Maß an Naivität, wie selbstverständlich davon auszugehen, dass das Hochziehen von Einkaufszentren, Geschäftshäusern oder Appartementblocks schon von ganz allein eine Wohltat für die Allgemeinheit ist. Die politische Erfahrung und der genaue Blick auf die gesellschaftliche Realität sagen etwas ganz anderes: Selbstverständlich ist erst mal nur, dass die Investoren derartiger Projekte absahnen und alle, die mit dranhängen wie Makler, Notare, Grundbesitzer! Die Kommunen kommen den Investoren nämlich in der Regel soweit entgegen, dass die sich schon sehr blöd anstellen müssen, um keinen Gewinn zu machen. Auf der anderen Seite ist keineswegs garantiert, dass auch die Kommune etwas von derartigen Projekten hat – und vor allem steht in den Sternen, ob der vielzitierte Mann auf der Straße am Ende nicht auf die eine oder andere Art drauf zahlen muss.

Aber gucken wir uns erst mal die Auswirkungen an, die die Bauaktivitäten auf das Stadtbild haben werden. Es ist schon jetzt – lange vor Fertigstellung – leicht erkennbar, dass die Buchholz Galerie ein überaus massiver Baukörper sein wird, der das Buchholzer Zentrum dominieren wird. Die Computeranimation auf dem Bauschild demonstriert öffentlich, wie absolut fantasielos die Fassade der Shopping Mall gestaltet wurde. Das wird nur noch durch die Brachialarchitektur übertroffen, die das Volksbankgebäude auf der anderen Seite des Marktplatzes zu bieten hat. Dieser protzige Bau, der auf der Bautafel allen Ernstes als attraktives Geschäftshaus angepriesen wird, könnte der Feder von Albert Speer entsprungen sein, so martialisch wirkt er, zumindest in der Computeranimation. Aber so bauen Banken eben heute: Ihre Gebäude strahlen nichts als Macht und Profitgier aus und das sollen sie im Grunde auch!

Wenn der Buchholzer Einkaufsklotz und das Protzbankgebäude fertig sind, wird der Buchholzer Markt und die Aufenthaltsqualität auf diesem nicht mehr dieselbe sein. Man wird ja gar nicht mehr wissen, wo man noch hingucken soll, am besten noch auf die Empore und den Teich davor – das ist moderne Architektur von der noch erträglichen Sorte. Architektonisch und stadtplanerisch sind diese beiden Großprojekte aber nur die Spitze des Eisbergs und der endgültige Beleg dafür, dass es eine durchdachte Stadtplanung in dieser Stadt nicht gibt, sondern Bauherren und Investoren machen können, was sie wollen.

Wenn es den Verantwortlichen in den vergangenen Jahren darum gegangen sein sollte, Buchholz den letzten Rest von Backsteincharme auszutreiben, dann ist ihnen das restlos gelungen. Denn was im Zentrum und an der Peripherie an Wohnbauten entstanden ist, steht den neuen Geschäftsbauten in puncto Fantasielosigkeit in nichts nach. Wie Pilze nach einem warmen Regen sind an allen Ecken und Enden mehrstöckige Klötze mit Luxuswohnungen hochgezogen worden, die sich einen Wettbewerb in postmoderner Scheußlichkeit liefern. Weiß getüncht meistens, mit den üblichen stählernen Balkongittern und albernen kleinen Giebeln. Und selbst wenn Klinker genommen wird, gelingt es den meisten Architekten dennoch mühelos, mit ihren Bauten eine ästhetische Kälte zu verbreiten, die jeden sensiblen Betrachter frösteln lässt. Siehe zum Beispiel das Gnosa-Haus. Eine löbliche Ausnahme und Beweis, dass es auch anders geht, ist das neue Gemeindehaus der Paulus-Gemeinde neben der Kirche.

Das Stadtbild ist also verhunzt und wird weiter verhunzt, da wird man wohl kaum noch was machen können, aber wir sind ja Optimisten. Deshalb hoffen wir mal auf die neue Baudezernentin, die ja Intensivkrankenschwester im ersten Beruf war und deshalb etwas davon verstehen sollte, todkranke Patienten über die Runden zu bringen oder gar zu heieln. Leider fällt den meisten Menschen die stadtplanerische und architektonische Krise vermutlich kaum auf, denn irgendwie haben wir uns an diese Architektur ja gewöhnt und irgendwie passt sie ja auch in diese coole Brachialgesellschaft. Aber was für Buchholz mindestens eben so schlimm ist und sich wohl ebenso wenig verhindern lässt, sind die Auswirkungen der Bauaktivitäten im Zentrum für die Stadt.

Natürlich lässt sich da im Moment nur spekulieren, aber nichtsdestotrotz sollte man sich mit den möglichen Folgen ohne Tabus beschäftigen dürfen. Die Erfahrung mit Einkaufszentren wie zum Beispiel dem Phönix Center in Harburg zeigt, dass diese Zentren eine exklusive Sogwirkung erzeugen. Das heißt, dass die Konsumenten mit dem Ziel nach Buchholz kommen, im Zentrum mit seinen 40 Läden einzukaufen – was ja erst mal auch im Sinne des Erfinders ist -, dass sie aber dann auch alles dort erledigen: Klamotten kaufen, bei den Büchern stöbern, ein Deo im Drogeriemarkt kaufen, Kaffee trinken, Eis essen, zum Friseur gehen und so weiter. Mit anderen Worten: Sie gehen in die Galerie, shoppen und fahren wieder nach Haus. Der Rest der Stadt geht leer aus.

Natürlich gibt es in der Buchholzer City eine Reihe von Fachgeschäften, die mit ihrem Angebot gut aufgestellt sind und ihre Kunden weiterhin finden werden. Aber insgesamt, und mit dieser Befürchtung steht der Autor nicht allein, dürfte die Buchholz Galerie dafür sorgen, dass die Laufkundschaft im Rest der City zurückgeht und die Umsätze im Schnitt erheblich sinken. Das City Center, das ja heute schon nicht der Gipfel der Attraktivität ist, kann man wohl getrost abschreiben, und wie es in der Neuen Straße weitergeht, dahinter steht zumindest ein dickes Fragezeichen. Auch das sommerliche Leben auf dem Marktplatz dürfte unter der Galerie leiden, nicht allein wegen der architektonischen Verunreinigung des Ausblicks, sondern weil sich vieles ins Center verlagert. Kurz und gut: Mit der Buchholz Galerie haben sich Politik und Verwaltung in Buchholz auf ein Abenteuer eingelassen, dessen Ausgang völlig offen ist. Klar ist im Moment nur, dass sich das Stadtbild massiv verändert – im Zentrum bekommen wir eine schöne neue Einkaufswelt und weiter draußen entstehen immer mehr cool designte Appartementblocks mit für den Normalbürger unerschwinglichen Wohnungen. Was man da jetzt noch machen kann? Überlegen, wie man die Auswirkungen im Zentrum zumindest abfedert – und in der Stadt dafür sorgen, dass allmählich auch wieder mehr günstiger Wohnraum gebaut wird. Zum Beispiel von einer städtischen Wohnungsbaugenossenschaft.

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Als gläubiger Christ freue ich mich eigentlich immer, wenn ich einen Weihnachtsbaum sehe, aber mehr als einen Monat nach Epiphanias (6. Januar) und eine Woche nach Mariä Lichtmess (2. Februar, für einige immer noch das Ende der Weihnachtszeit) ist die Freude nicht mehr ganz so groß. Darum möchte ich an dieser Stelle darum bitten, dass sich jemand der Tannenbäume erbarmt, die immer noch über das Stadtgebiet verstreut am Straßenrand herumliegen. Allein in der Innenstadt habe ich bei oberflächlichem Hinschauen vier Exemplare gesehen: auf dem Hof hinter dem alten Budni, vor Jucarts Moden, an der Auffahrt West zur Galeriebaustelle (allerdings hinterm Zaun) und (sehr passend) vor der Paulus-Kirche an der Auffahrt zum Parkplatz Paulus-Haus.

Vielleicht hat unser überbeschäftigter Baubetriebshof gelegentlich Zeit und Lust, die Tannenbäume einzusammeln und fachmännisch zu entsorgen? Oder sind die nicht zuständig?

Wir können natürlich die Bäume auch liegen lassen und das ganz anders machen. Da bei den Discountern schon Ostereier im Regal liegen,  ziehen wir Ostern kurzerhand vor (ich klär das mit dem zuständigen Bischof) und die Kinder suchen statt Eier Weihnachtsbäume in der Stadt. Vier habe ich ja schon verraten, aber es gibt sicher noch mehr. Also, auf geht’s!

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Neulich in einem Aufzug der Konzernzentrale des Bertelsbauerburdaspringer-Verlages. Meyer hat‛s eilig und rempelt beim Reinkommen einen Herrn im feinen Zwirn an. „Können Sie nicht aufpassen!“, faucht Meyer ihn an. „Na, hören Sie mal, Sie haben mich doch angerempelt!“, antwortet der Anzugträger. „Wissen Sie überhaupt wer ich bin?!“ – „Nö.“ – „Ich bin Vorstandssprecher Dr. Schulze-Lübke!“ Der Fahrstuhl hält, die Tür geht auf, Meyer schlüpft hinaus, dreht sich um und sagt mit geschwellter Brust, während die Türen langsam wieder zugehen: „Und wissen Sie, wer ich bin?!“ – „Nein!“ – „Na, gottseidank!“

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Von Kristian Stemmler

Vorbebemerkung: In diesem Beitrag geht es in keinster Weise darum, einen Menschen oder gar eine Menschengruppe zu stigmatisieren. Im Gegenteil: Es geht darum, auf die Nöte und Probleme eines Menschen hinzuweisen, der zum Spielball von Medien geworden ist, weil es offenbar niemanden gibt, der ihm wirklich helfen und ihn schützen kann. Es geht um die gesellschaftlichen Hintergründe, vor denen das möglich ist. Es geht um Sensibilisierung für eine Zeit, in der immer mehr Menschen unter die Räder kommen und auf der anderen Seite immer mehr das achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Mit anderen Worten: Es geht um die Verrohung dieser Gesellschaft, deren Zeuge wir alle sind und gegen die wir als einzelne augenscheinlich so wenig tun können, weil es zu viele gibt, die sich offenbar etwas davon versprechen.

Der Fall des Handeloher Piraten Erich Romann ist exemplarisch für den Umgang dieser Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen. Wenn ich es richtig verfolgt habe, ist die einzige, die bisher den Mut hatte, Klartext zu reden, die grüne Kreistagsabgeordnete Ruth Alpers – sie erklärte in den „Harburger Anzeigen und Nachrichten“, Romann sei psychisch krank. Dem ist wenig bis nichts hinzuzufügen!

Das Auftreten des Piraten im Kreistag mit Bierflasche, seine kruden Vorschläge, die von Teilen der Presse nach wie vor transportiert werden, seine wirren Theorien, seine Vorwürfe, er würde von Parteifreunden verfolgt, zuletzt das Begehren, eine Schusswaffe zu erhalten, lassen nur diesen einen Schluss zu – und unter der Hand sind sich da wohl alle Kenner der politischen Szene im Landkreis einig. Nur dass das immer mit den üblichen, im Grunde wenig hilfreichen Formulierungen wie „Der hat nen Sprung in der Schüssel“ abgetan wird.

Ohne Arzt zu sein, lässt sich doch relativ gut erkennen, wo das Problem liegt. Romanns Verhalten zeigt eindeutig manische und in Ansätzen auch paranoide Züge. Verblüffend daran ist nur, wie lange er diesen Zustand schon durchhält. Es ist jedenfalls mehr als offensichtlich, dass er Hilfe und Behandlung braucht. Aus guten Gründen ist es aber in Deutschland nach wie vor sehr schwierig, das per Zwang durchzusetzen. Die Frage ist also, ob es Menschen gibt, die Erich Romann erreichen und ihn zur Einsicht bringen können. Wobei das tatsächlich das kniffligste Problem ist, weil zu seinem Zustand eben auch gehört, dass die Krankheitseinsicht fehlt.

Der Umgang mit derartigen Problemlagen ist in unserer Gesellschaft in keinster Weise eingeübt, das Thema ist immer noch ein großes Tabu. Und das vor dem Hintergrund, dass ein erheblicher Teil – ich würde dazu neigen, mehr als die Hälfte, der Bevölkerung – in der einen oder anderen Weise psychisch krank ist – ob wir von Depressionen reden oder (gerade sehr hip) Burnout, Tablettensucht, Alkoholismus, Konsumsucht, Neurosen oder oder oder.

Wobei ich dazu sagen muss, dass für mich auch Lehrer, die Schüler mobben, Leute, die nur für ihr großes Auto und ihr großes Haus leben, Chefs, die prima schlafen, nachdem sie 200 Leute rausgeschmissen haben, dass die auch für mich krank sind. Das ist eine Definitionsfrage. Das Problem ist, dass diese Leute sich nicht behandeln lassen, sondern in dieser Gesellschaft ihre Störung voll auf Kosten anderer ausagieren dürfen und so dafür sorgen, dass die Psychiatrien voll sind!

Ein großes Problem im Umgang mit Erich Romann ist das Verhalten von Teilen der Presse. Hoch anerkennenswert ist, dass das Wochenblatt sich erkennbar zurückhält und über die Ausfälle des Piraten höchstens noch ganz klein mit Bezug auf andere Medien berichtet. Dafür nimmt das Springer-Blatt „Harburger Anzeigen und Nachrichten“, das offenbar auf seine Existenzprobleme mit einer extensiven Boulevardisierung antwortet, jeden Ball des Piraten auf. Noch die erkennbar wirrsten Äußerungen Romanns werden transportiert. Zuletzt wurde er als „Polit-Clown“ bezeichnet und wieder groß mit Bierflasche auf der zweiten Seite abgebildet.

Es ist skandalös und mit dem deutschen Pressekodex in keiner Weise vereinbar, dass die HAN Äußerungen Romanns, deren Irrationalität für jeden erkennbar ist, so groß aufmacht. Das kann nur dazu führen, dass er sich bestätigt fühlt und seine Manie noch weiter angeheizt wird. Darum wäre es sinnvoll, wenn im Kollegenkreis oder unter den Chefredakteuren der hiesigen Blätter so etwas wie ein Agreement erreicht würde, über Romann nur noch sehr reduziert zu berichten und nur wenn es wirklich eine Nachricht ist – zum Beispiel wenn seine Partei Schritte gegen ihn einleitet, was ja offenbar geschieht.

Wie soll es da jetzt weitergehen? Es ist zu befürchten, dass die Auftritte und Vorstöße des Piraten noch verrückter werden, denn was in seiner Gedankenwelt wirklich abläuft, ist für keinen erkennbar und hat mit der Realität wenig bis nichts zu tun. Zu prüfen ist, ob der Kreis nicht doch von sich aus tätig werden kann. Wenn die Dienstfähigkeit von Beamten von Amtsärzten überprüft wird, stellt sich die Frage, ob das bei einem Kreistagsabgeordneten nicht auch möglich ist. Man könnte ihn ja zumindest mal zu einem Gespräch einladen. Auch sein Umfeld in Handeloh und bei den Piraten sollte alles versuchen, um ihn zu überzeugen, sich in Behandlung zu begeben. Menschliche Ansprache dürfte hier am sinnvollsten sein – denn letztlich ist das Krankheitsbild des Erich Romann wohl nur Ausdruck einer tiefen Einsamkeit.

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