24
Feb
12

Wenn ein Schwarzbauer rot sieht


Von Kristian Stemmler

Otto, Otto, das Wohnen im Wald scheint doch Manchem aufs Gemüt zu schlagen. Die Ruhe und Abgeschiedenheit, das ständige Vogelzwitschern und Brausen in den Baumkronen lässt doch den einen oder anderen sonderbar werden, wie sich am Beispiel eines gewissen Prosper-Christian Otto leicht aufzeigen lässt. Dieser Herr – in eingeweihten Kreisen auch als „König der Schwarzbauer“ bekannt – bewohnt ein bescheidenes Häuschen mit 177 Quadratmetern Wohnfläche im schönen Waldgebiet „Sprötze-Lohbergen“ am Brunsberg. Seit neuestem hat er ein Problem – die Abrissbagger stehen vor der Tür, bildlich gesprochen.

Wie mancher Leser dieses Blogs vielleicht noch erinnert, kämpft Otto wie einst Don Quixote mit nicht enden wollender Leidenschaft gegen die Stadt Buchholz, die ihm sein Häuschen nicht gönnen will. Der Mann stellt ausweislich seines Verhaltens und seiner Äußerungen offenbar eine Mischung aus Starrköpfigkeit, Selbstüberschätzung, Ignoranz und Arroganz dar, was vermutlich daran liegt, dass er zuviel Wagner gesungen hat. Otto ist nämlich neben seiner Tätigkeit als Schwarzbauer und Gerichtebeschäftiger auch noch Sänger, Tenor, um genau zu sein.

Seiner amateurhaft gemachten Homepage nach zu urteilen, hat er nicht gerade die Weltkarriere hingelegt, aber das schafft ja auch nicht jeder. In der Scala wäre auch gar nicht soviel Platz für all die Tenöre. Dafür hat er ein kleines, aber feines Festival in Bötersheim ins Leben gerufen, von dem Sie, liebe Leser, sicher schon gehört haben. Man sagt in Fachkreisen ja auch gern: Salzburg, Bayreuth, Bötersheim.

Aber im Ernst: Kurz gefasst sieht die Sachlage so aus. Das Haus von Otto und rund 200 weiteren Grundeigentümern steht in einem Gebiet, für das es keinen Bebauungsplan gibt. Einfach, weil nach dem Krieg dort Wochenendhäuser gebaut wurden, die nach und nach zu festen Wohnsitzen wurden. Die Eigentümer taten sich in einer Interessengemeinschaft mit dem schönen Namen Wohngebiet Lohbergen-Höllental (IWL) zusammen, um für den Bestand Ihrer Häuser zu kämpfen. Stadt und Rat hätten locker auf Abriss aller Häuser bestehen können, kam aber den Eigentümern mit der Aufstellung eines B-Plans entgegen, der allerdings etwa 150 der 200 zum Rückbau oder Teilabriss verpflichtete. Die meisten hielten sich dran.

Nur vier wollten nicht villenlos sein. Otto nahm die Sache in die Hand, strengte ein Normenkontrollverfahren an – und obsiegte sogar. Das Bundesverwaltungsgericht kassierte den B-Plan mit dem Argument, dass ein Gebiet nicht gleichzeitig zum Wohnen und als Wald ausgewiesen werde dürfe, wie die Stadt das getan hatte. Das aber war ein Pyrrhussieg, wie er im Buche steht!

Denn jetzt stehen die Häuser von Otto und seinen drei Kameraden im Außenbereich und die Stadt sieht sich genötigt, den Abriss zu verfügen. Dort ist man vermutlich beim Ausstellen der Verfügungen nicht gerade in Tränen der Trauer ausgebrochen… Denn Otto hat die Stadt und die verantwortlichen Politiker immer wieder beschossen und mit haltlosen Vorwürfen überzogen. Den Vogel schoss er in der Einladung zu einem Pressegespräch der IWL ab, in der er schreibt, die betroffenen Grundeigentümer würden sich fragen: „Wer steckt dahinter? Rechtsradikales Gedankengut in der Verwaltung?“ Sach ma, geht‛s noch!

Er hatte aber noch mehr Pfeile im Köcher: Im Herbst 2010 erpresste er die Stadt mit der Drohung, die Musikschule, die er und seine Frau in Buchholz betreiben, aus der Stadt abzuziehen. Das war so dreist und hanebüchen, dass die Verantwortlichen der Musikschulen in Winsen und Seevetal auf den Plan traten, von einem Erpressungsversuch sprachen und erklärten, dass ein Trägerverein über die Zukunft der Musikschule entscheide und dies nicht an der Person Ottos oder seiner Frau hänge. Ein ungewöhnlich deutliches Echo!

Zeugnis von seiner Unbelehrbarkeit und Dreistigkeit legte Otto auch nach dem BVG-Urteil ab. So übersandte er allen Ratsmitgliedern eine Kopie von Urteil und Begründung und schrieb dazu den netten Satz: „In der Hoffnung, dass die Stadt Buchholz nun mehr zu rechtsstaatlichem Handeln gegenüber den Bürgern in dem Plangebiet zurückkehrt und weitere gerichtliche Auseinandersetzungen dadurch vermieden werden können, bleibe ich (Grußformel)“.

Nach einem eher moderaten Antwortbrief des Rates rastete der Heldentenor restlos aus. Mit Datum vom 24. Januar sandte er dem Ratsvorsitzenden Gisbert Saulich (SPD) ein Schreiben, in dem er besinnungslos um sich schlägt. So schreibt er, die Antwort vom Rat sei „leider weitestgehend unverständlich und nicht themenbezogen“. Weiter wörtlich: „In meinem Schreiben vom 24.1. geht es einzig und allein darum, dem Rat noch eine letzte Chance einzuräumen, neue, zusätzliche (!!!) gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, Prozesse, die nicht nur die finanziellen Ressourcen der Stadt Buchholz, sondern auch das Ansehen der neuen Ratsmitlgieder massiv beeinträchtigen.“ Den Rest erspare ich Ihnen, lieber Leser. So schreibt einer, der jedes Maß verloren hat!

Ach ja, denn kündigt er auch noch Schadenersatzforderungen an und nennt das Verhalten der verantwortlichen Politiker kriminell. Ein Vorwurf, der daraufhin zu überprüfen sein wird, ob er justiziabel ist.

Herr Otto, mit all dem tun Sie sich und Ihren Mitstreitern wahrlich keinen Gefallen. Ich glaube nicht, dass Rat und Verwaltung jetzt noch bereit sind, auch nur einen Millimeter nachzugeben. Nach der Abrissparty des Gymnasiums am Kattenberge steht also über kurz oder lang die nächste Abrissparty an. Ich kann mir vorstellen, dass es sich der eine oder andere aus Rat und Verwaltung nicht nehmen lassen wird, mal vorbeizuschauen, wenn die Bagger zum Brunsberg rollen. Natürlich muss es bei einer Party auch Musik geben. Sie werden sicher nicht singen können, weil Ihnen dann die Töne fehlen. Deshalb gibt es Musik aus der Konserve. Ich schlage die Arie „Selige Öde auf wonniger Höh‛!“ aus Wagners „Siegfried“ vor.


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